Erste Hinweise auf Entführer von Susanne Osthoff

5. Dezember 2005, 09:53
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Ultimatum abgelaufen - Familie appelliert an Entführer

Berlin - Im Bemühen um die Freilassung der im Irak entführten Deutschen Susanne Osthoff tritt die Bundesregierung in Berlin auf der Stelle. Bedauerlicherweise sei es bisher nicht gelungen, "mittelbar oder unmittelbar" Kontakt zu den Entführern aufzunehmen, sagte Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) am Samstag vor einer erneuten Sitzung des Krisenstabes im Auswärtigen Amt.

"Wir wären gerne weiter", räumte er ein. Medienberichten zufolge lief am frühen Freitagmorgen ein Ultimatum der Entführer ab. Die Kidnapper von vier ebenfalls im Irak verschleppten Mitarbeitern einer christlichen Organisation drohten mit der Tötung ihrer Geiseln.

Al Jazeera strahlte Appell der Angehörigen aus

Die flehentliche Bitte der Schwester und Mutter der Entführten um deren Freilassung seien im Irak auf große Beachtung gestoßen, ebenso wie die Verurteilung der Tat durch religiöse Autoritäten in dem Land, sagte Steinmeier. Am Donnerstag hatten sich Osthoffs Schwester und Mutter in einem vom arabischen Fernsehsender Al Jazeera übertragenen Appell an die Entführer gewandt.

Bruder: "Sie hat arabisches Herz"

Der Bruder der im Irak entführten Deutschen Susanne Osthoff hat an die Kidnapper appelliert, die Archäologin wieder frei zu lassen. "Bitte lassen Sie meine Schwester Susanne frei", sagte Robert Osthoff am Samstag in einem Interview mit der internationalen Fernseh-Nachrichtenagentur Reuters TV. "Sie hilft, sie hat ein arabisches Herz, wirklich ein arabisches Herz, und will Euch nicht irgendwie etwas nehmen - sie bringt Euch was", fügte er sichtlich bewegt hinzu.

Die 43-Jährige habe nicht aus politischen Motiven heraus gehandelt. "Meine Schwester hat das rein humanitär gemacht. Sie hat sich dem Land verschrieben." Osthoff begrüßte ausdrücklich die aus dem Irak berichteten Bemühungen um eine Freilassung. Das zeige, dass seine Schwester mit ihrem humanitären Einsatz etwas bewirkt habe. "Das ist das Beste, was passieren kann, dass die ganzen Hochrangigen - Geistliche, Politiker, Stammesfürsten - sich Gedanken machen oder versuchen, meine Schwester da 'raus zu holen."

Die Nachrichtenmagazine "Der Spiegel" und "Focus" berichteten, die Osthoff-Entführer hätten auf einer der Fernseh-Station ARD zugespielten DVD auch ein Ultimatum gestellt, das am Freitagmorgen um 02.37 Uhr deutscher Zeit abgelaufen sei. In ihrer Botschaft hätten die Geiselnehmer die Bundesregierung explizit aufgefordert, die Ausbildung irakischer Polizisten zu beenden, heißt es im "Focus" unter Berufung auf Berliner Sicherheitskreise.

Erste Hinweise auf Entführer

Der "Spiegel" berichtete weiter, nach Ansicht des Krisenstabs könnten die Entführer der Archäologin dem arabisch-nationalistischen Milieu angehören. Dafür spreche der Name "Saradsha el Salasil" (Sturmtruppen der Erdbeben), unter dem die Kidnapper agierten. Eine Gruppe ähnlichen Namens habe bereits früher mit den sunnitisch dominierten Ishrin-Brigaden kooperiert, die seit Sommer 2003 im Irak aktiv seien.

Der Krisenstab rekonstruierte laut "Spiegel" teilweise die letzten Stunden vor der Entführung. Danach war Osthoff am 25. November um 06.00 Uhr morgens mit ihrem irakischen Fahrer in einem weißen Taxi mit Bagdader Kennzeichen ins rund 350 Kilometer entfernte Arbil im Nordirak aufgebrochen.

Straßensperre

Nach etwa 200 Kilometern sei die Straße angeblich wegen eines Militäreinsatzes gesperrt gewesen. Zu einem für zehn Uhr vereinbarten Termin mit irakischen Gesprächspartnern in Arbil sei sie nicht erschienen. Am Samstag habe dann die US-Botschaft im Irak einen Hinweis auf eine Entführung erhalten und die deutsche Botschaft alarmiert.

Um Kontakt zu den Entführern aufzunehmen, setzt Berlin laut "Spiegel" unter anderem auf kurdische Vermittler und den sunnitischen Geistlichen Abd el Muneim el Badari. Seine Familie gilt im Nordirak als einflussreich.

Islamische Dachverbände verurteilen Entführung

Die islamischen Dachverbände in Deutschland haben die Freilassung der im Irak entführten Susanne Osthoff gefordert. "Wir verurteilen diese Tat aufs Schärfste", sagte Präsident Ibrahim al-Zayat am Samstag beim Jahrestreffen der "Islamischen Gemeinschaft in Deutschland" (IGD) in Leverkusen. Nadeem Elyas vom Zentralrat der Moslems in Deutschland sagte: "Wenn sich diese Entführer als Muslime empfinden, dann sollen sie sich auch wie Muslime verhalten".

Der Islam verbiete die Verschleppung von Menschen genauso wie Terror, Gewalt und Blutvergießen, sagte Elyas. Die Entführer schadeten der "arabischen und islamischen Sache". Man sei zu jedem Schritt bereit, um zu einer Entspannung der Situation beizutragen. "Wir wären auch bereit, uns an einer Delegation zu beteiligen, die vor Ort Verhandlungen führt", sagte Elyas. Auch die Organisation von Solidaritäts-Demonstrationen in Deutschland sei denkbar: "Wir machen aber jeden Schritt von den Empfehlungen des offiziellen Krisenstabs abhängig, denn wir wollen nichts tun, was womöglich schädlich ist".

Rund 60 Menschen brachten am Freitagabend im oberbayerischen Glonn mit einer Mahnwache ihr Mitgefühl für Osthoff zum Ausdruck. Sie stellten vor dem Rathaus ein Foto der Entführten auf und zündeten Kerzen an. Auch die Mutter und der Bruder Osthoffs seien dabei gewesen. Die seit rund einer Woche entführte Susanne Osthoff hatte vier Jahre in Glonn gelebt. (APA/dpa)

Hinter der Entführung von Susanne Osthoff steckt eine Gruppe irakischer Aufständischer mit dem Namen "Saraja al-Salasil"
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