Armenier fordern Entschädigungen von Deutscher Bank

6. Dezember 2005, 15:25
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Opfer-Nachkommen wollen auch gegen Victoria-Versicherung gerichtlich vorgehen

Wien - Nachkommen von Überlebenden des Armenier-Völkermordes in der Türkei während des Ersten Weltkriegs wollen gerichtlich gegen zwei deutsche Finanzinstitute vorgehen, um Entschädigungen in bis zu dreistelliger Millionenhöhe für ausstehende Versicherungs- und Vermögenswerte einzufordern, wie das Hamburger Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" in seiner am Montag erscheinenden Nummer berichtet. Die Ansprüche der überwiegend in den USA lebenden Hinterbliebenen, so ihre drei US-Anwälte, richten sich gegen die Deutsche Bank und die Victoria-Versicherung. So seien nach dem Völkermord "mindestens 280 Polizzen von Armeniern nie ausgezahlt worden", sagt Anwalt Vartkes Yeghiayan nach Recherchen in US-Archiven.

Grundsatzverfahren

Weil die Klage gegen Victoria, vor 16 Monaten in Los Angeles erhoben, wegen Zuständigkeitsfragen in einem Grundsatzverfahren vor dem deutschen Bundesgerichtshof in Karlsruhe "in der Schwebe" sei, wollen die US-Juristen jetzt "alle Kanonenrohre auf die Deutsche Bank richten". Bei deren Vertretungen, etwa in Konstantinopel (jetzt Istanbul), unterhielten einst "Tausende von Armeniern" (Anwalt Mark Geragos) Konten und Schließfächer mit persönlichen Preziosen. Nach dem Massaker an den Armeniern reklamierte der türkische Staat diese Werte, Überlebenden blieb der Zugriff meist versperrt. "Wir wissen nicht, wie hoch die ausstehende Summe ist", so Anwalt Brian Kabateck, "aber es dürfte sich mindestens um etliche zehn Millionen Dollar handeln."

Lebensversicherungen

Nach Angaben eines Deutsche-Bank-Sprechers "ist bisher keine Klageschrift eigegangen". Eine frühere Klage vor einem US-Bundesgericht sei abgewiesen worden. Dennoch sind die US-Anwälte optimistisch, dass ihre Forderungen Erfolg haben könnten: Nachdem US-Versicherer "New York Life" 20 Millionen US-Dollar (17,1 Mio. Euro) an die Hinterbliebenen des Genozids überwiesen hatte, einigten sich die Anwälte nun auch mit dem französischen Axa-Konzern über die Zahlung von 14,4 Millionen Euro - für nie eingelöste Lebensversicherungen. (APA)

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