Schräge Perspektiven

7. Juni 2006, 22:46
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Gluschitsch lässt uns an der Vorfreude auf die neuen Suzukis teilhaben - Fidler kann dazu nicht schweigen - Bike-Vorschau, Teil 1

Wie sag ich es nur? Tja, äh vielleicht so: In meiner Jugend waren die ganz wilden Hunde jene Helden, zu denen wir aufblickten – und die fuhren sicher nicht Suzuki. Ich erinnere mich da an bockige Zweitakt-350-er und 500-er – Richard Dora. Eine Runde nur mitfahren dürfen und ein Monat war gerettet. Nein das waren keine Suzukis.

Doch der Horizont erweitert sich langsam – eine Tellerrandüberblickungssteigerung von Espressotassenuntersetzer auf Nachspeisenteller wird erst viel später als gar nicht so großer Erfolg erkennbar. Jedenfalls: "Wenn ich groß bin, kauf ich mir eine GSXR 750!" – So richtig groß bin ich anscheinend bis heute nicht geworden – aber ein Futur kann ich heute wenigstens bilden.

Vor wenigen Tagen der Überschock. In der Redaktion liegt ein Bild von einem äußerst ansprechenden Motorrad – Suzuki GSR 600. Eines der schärfsten Eisen 2006. Nackt, schnittig und schöner als ein Candlelight-Dinner in der Kalten Kuchl.

Stilistische Eyecatcher sind neben dem superschnellen Scheinwerfer wohl die in der Tankverkleidung integrierten vorderen Blinker. Doch auch von hinten, wie ich sie meist sehen werde, wenn ich nicht selbst darauf sitze, macht die GSR 600 ganz schön was her.

Wieder begeistern die hinter Klarglas verpackten Blinker. Knapp darüber: Underseat-Pipes. Kann Argumente gegen die "Sitzheizung" auf den Tisch knallen wer will, für mich ist diese Art immer noch die eleganteste, einen Auspuff zu verbauen.

Suzuki wildert nun erstmals im arg umkämpften Segment der nackten 4-Zylinder 600er gegen die Fazoren und Hornetten. Die 650er Bandit hier zu nennen, macht keinen Sinn, denn diese wird sich wie ein Mailüfterl gegen die 100-PS-GSR ausnehmen – motorisch wie ästhetisch. In der GSR kommt nach Fazer-Vorbild der runtergebüchste 600er-Supersportmotor (weniger Leistung dafür gleichmäßiger Drehmomentverlauf) zum Einsatz.

Apropos GSX-R 600. Die wurde zum Facelift in Richtung GSX-R 1000 gebeten. Das ist aber bei Weitem nicht alles, was an der 600er für die nächste Saison verändert wurde. Jedes Jahr findet sich anscheinend wieder irgendwo im Motor die eine oder andere Pferdestärke, so auch heuer. Und weil man grad beim Zusammenräumen war, hat man auch noch ein Kilogramm irgendwas entsorgt. Ergo: Schöner, stärker, leichter.

Kann sein, dass der extrem kurze, an die MotoGP erinnernde Auspuff so viel weniger Metall braucht? Das Seitenstummerl werde ich mir allerdings erst einmal in natura ansehen, bevor ich von den Underseat-Röhrln zu schwärmen aufhöre – sicher ist sicher.

Zurück zum Bubentraum: Sagen wir, ich nehme zwei Kilo ab. Dann hab ich das Gewicht wieder drinnen, das die GSX-R 750 schwerer sein soll, als die 600er. Dafür hat sie aber statt der 124 ganze 150 PS zur Verfügung. Oder wenn ich vorm Wegfahren die ganzen Münzen aus dem Geldtascherl gebe und nur Papiereuros einstecke, geht das vielleicht auch? Ansonsten sind die beiden Räder identisch, schreibt die Fachpresse. Ich würde mir gerade einmal erlauben, einem Laien zu sagen, sie sehen gleich aus.

Bei der Bandit 1200 hat sich ja nicht viel getan. Nicht nur die 1157 Kubikzentimeter bleiben, auch die Leistung bleibt bei 100 PS. Optisch wurde ein wenig die Linie gestreichelt, die Halbschale der S-Version leicht geändert, die Sitzposition minimal verändert und das war es dann auch schon.

Doch nein, halt, ABS wird es nächstes Jahr bei der großen Banditin zu ordern geben. Aber eines ist gewiss, wenn die Modellpflege der Bandit über die nächsten Jahrzehnte so weitergeht – im Vergleich zu mir wird sie nie alt aussehen.

>>> Fidler fährt mit

Herr Gluschitsch neigt nicht nur zu gewaltigen Satz- und Wortungetümen (ich sage nur: Tellerrandüberblickungssteigerung!) und ausgleichender Bescheidenheit mit Beistrichen. Sondern auch zu kleinen Übertreibungen, wie unser Knieschleifreport mit 125 ccm zeigte. Erst mal fahren, bevor wir die GSR an einer Fazer messen. Auch wenn die Werte einiges versprechen. Und überhaupt: Warum erst jetzt in diesem Segment?

Zur Besonnenheit mahne ich den lieben Kollegen bei den Bücklingen GSX-R 600 und vor allem 750. So altklug macht nur die eigenhändige Verschrottung von Gerät und Gelenk. Übrigens bei einer meiner zaghaften Knieschleifereien mit Seltenheitswert.

Und weil nicht alle aus Totalschaden klug werden: Für mich bitte die 750-er, wenns leicht geht in Pannonien. Oder aus Vernunftgründen doch besser ihre kleine Schwester? Herr Gluschitsch kann ja inzwischen mit den Fazern um die Wette brettern. Aber nur, wenn er mir die GSR für einmal Dopplerhütte und zurück leiht. (Gluschitsch&Fidler, derStandard.at, 5.12.2005)

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Suzuki

  • Suzuki GSR 600: Schöner als ein Candlelight-Dinner in der Kalten Kuchl.
    foto: werk

    Suzuki GSR 600: Schöner als ein Candlelight-Dinner in der Kalten Kuchl.

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