Fanchini gewinnt Abfahrt in Lake Louise

7. Dezember 2005, 15:07
1 Posting

Vizeweltmeisterin feierte in Lake Louise ihren ersten Weltcupsieg vor den Österreicherinnen Dorfmeister und Meissnitzer

Lake Louise/Alberta - Elena Fanchini hat am Freitag die erste Weltcup-Abfahrt der Damen in der Olympiasaison gewonnen. Die 20-jährige Vizeweltmeisterin aus Italien, deren bisher beste Resultate im Weltcup drei 17. Plätze gewesen waren, bestätigte in Lake Louise ihre Trainingsbestzeit und siegte knapp vor den Österreicherinnen Michaela Dorfmeister (+0,10) und Alexandra Meissnitzer (+0,28).

Zufriedene ÖSV-Damen

"Ich war bei der Kurve, wo dann die Geschwindigkeit gemessen wird, etwas zu passiv, das war wohl die eine Zehntel", wusste Dorfmeister, wo sie ihren 22. Weltcupsieg liegen gelassen hatte. Doch auch für Meissnitzer war beim Speed-Auftakt in Alberta mehr drinnen. Bei der Steilhang-Einfahrt ("Fall Away") unterlief der Salzburgerin ein schwerer Fehler. "Da hat es mir den Ski verschlagen. Es ist sich gerade noch fürs nächste Tor ausgegangen", erklärte "Meisi".

Trotzdem zog das ÖSV-Duo auf dem Podest ein positives Resümee. "Wenn man im ersten Rennen gleich vorne dabei ist, dann kann man zufrieden sein", betonte Dorfmeister, die heuer ihre letzte Saison bestreitet. "Ich habe eine Riesenfreude mit diesem dritten Rang. Nachdem ich zuletzt in der Abfahrt zu kämpfen gehabt habe, funktioniert es jetzt wieder", lautete der Kommentar von Meissnitzer, die am Samstag in der zweiten Abfahrt "wieder aufs Stockerl fahren" möchte, während Dorfmeister endlich ihren ersten Abfahrtssieg in Lake Louise feiern möchte. "Der fehlt mir noch. Deswegen werde ich Vollgas geben", meinte die Niederösterreicherin.

Lob für die Siegerin

Dorfmeister lobte die Leistung von Elena Fanchini: "Sie hat hier sehr viel Mut bewiesen und sich gewaltig geschlagen. Ich hätte mir eigentlich nicht gedacht, dass sie das runterbringt. Hochachtung!" Drittbeste ÖSV-Dame war Ingrid Rumpfhuber (Startnummer 47) als Siebente, während Elisabeth Görgl als Elfte um 9/100 an ihrem ersten Top-Ten-Resultat in der Abfahrt vorbeifuhr. "Ich bin voll gefahren. Natürlich habe ich ein paar Fehler gemacht, aber auch alles gegeben, was möglich war", sagte die Technikspezialistin, die Weltmeisterin Janica Kostelic aus Kroatien um 3/100 auf Rang zwölf verwies.

Speed-Queen Renate Götschl, die bereits mit Nummer neun ins Rennen gegangen war, landete außerhalb der Top 15. "Nach diesem teilweisen Blindflug mit 100 km/h und mehr bin ich einigermaßen mit meiner Leistung zufrieden. Für die Sicht habe ich mich wacker geschlagen", meinte die Steirerin.

Bei minus 17 Grad Celsius Lufttemperatur auf der 3.150 Meter langen Olympia-Piste mit 35 Toren im Banff National Park mussten sich die Skirennläuferinnen die freien Hautstellen im Gesicht mit Tapeband abkleben, um Erfrierungen zu vermeiden. Denn durch den Windfaktor und die hohen Geschwindigkeiten von weit über 100 km/h spürte sich die Kälte auf der Haut wie fast 50 Grad unter Null an!

Schwerer Sturz von Recchia

Das Rennen wurde überschattet vom schweren Sturz der Italienerin Lucia Recchia. Die Vize-Weltmeisterin im Super G raste nach einem Fahrfehler in ein Richtungstor und durchschlug anschließend das Sicherheitsnetz. Wegen des Verdachts auf eine Wirbelverletzung dauerte die Bergeaktion mit dem Hubschrauber eine knappe halbe Stunde, anschließend wurde die 25-Jährige aus Bruneck zur genauen Untersuchung in die Klinik nach Banff gebracht. Wenig später gaben die italienischen Betreuer Entwarnung, Recchia blieb aber zur Beobachtung sicherheitshalber im Spital.

Von der langen Unterbrechung profitierten die Trainingsbesten, die weit bessere Sicht hatten als beispielsweise Görgl, Götschl oder Vorjahressiegerin Lindsey C. Kildow. Die US-Amerikanerin wurde trotzdem unmittelbar hinter ihrer Teamkollegin Julia Mancuso Fünfte. Als beste der im Training so dominierenden Schweizerinnen landete Nadia Styger auf Rang sechs. Die Damen von Swiss Ski hatten aber eine unruhige Nacht gehabt. Im Hotel, in dem auch die Österreicherinnen wohnen, sorgte ein Feueralarm für Unruhe. Während der Trakt der ÖSV-Damen davon nichts mitbekam, riss der kleine Küchenbrand die Schweizerinnen aus dem Schlaf. (APA)

  • Elena Fanchini feierte in Lake Louise ihren ersten Weltcup-Sieg.
    foto:epa/sturk

    Elena Fanchini feierte in Lake Louise ihren ersten Weltcup-Sieg.

Share if you care.