Entführer drohen mit Ermordung von vier Geiseln

5. Dezember 2005, 09:48
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Freilassung aller Häftlinge in amerikanischen und irakischen Gefangenenlagern bis 8. Dezember gefordert

Bagdad/Berlin - Die Entführer von vier Menschenrechtsaktivisten im Irak haben mit der Ermordung ihrer Geiseln gedroht. Der arabische Nachrichtensender Al-Jazeera veröffentlichte am Freitagabend ein Video der Kidnapper, auf dem diese die Freilassung aller Gefangenen aus irakischen und US-kontrollierten Gefängnissen im Land bis zum Donnerstag, den 8. Dezember, fordern. Das Video zeige zwei aus den USA und Großbritannien stammende Geiseln, die ihre Regierungen zum Abzug aus dem Irak auffordern, berichtete der Sender. Zwei andere aus Kanada stammende Geiseln seien beim Essen gefilmt worden.

Arabische Liga fordert Freilassung

Der Generalsekretär der Arabischen Liga, Amre Mussa, hat eine schnelle Freilassung der westlichen Geiseln im Irak gefordert. In einer am Samstag in Kairo veröffentlichten Erklärung nannte Mussa die Verschleppung der 43-jährigen deutschen Archäologin Susanne Osthoff und ihres Fahrers "unbegreiflich" und "völlig ungerechtfertigt". Auch zwei Kanadier, ein Brite und ein Amerikaner, die für eine Hilfsorganisation arbeiteten und vor genau einer Woche entführt worden waren, müssten schnell freigelassen werden und zu ihren Familien und in ihre Länder zurückkehren können.

"Gefühlloser Terrorakt gegen unschuldige Menschen"

Der kanadische Ministerpräsident Paul Martin verurteilte die Todesdrohungen. Diese richten sich gegen Männer, die im Irak helfen wollten. "Das ist ein gefühlloser Terrorakt gegen unschuldige Menschen", sagte Martin am Freitag vor Journalisten. "Erinnern wir uns daran, dass diese Menschen mit einem humanitären Auftrag im Irak sind. Sie sind gekommen, um dem irakischen Volk zu helfen. Sie sind Männer des Glaubens. Sie sind gekommen, um den Irakern dabei zu helfen, ihre Gesellschaft wieder aufzubauen. Sie sind gekommen, um beim Aufbau des Friedens zu helfen."

Mahnwache

Bereits am Dienstag hatte Al-Jazeera ein Video gezeigt, in dem sich eine bisher unbekannte islamistische Gruppe zur Entführung der vier Männer bekannte. In London veranstalteten Freunde und Unterstützer der Christian Peacemaker Teams, zu denen der entführte Brite Norman Kember (74) gehört, am Abend eine Mahnwache, wie die BBC meldete.

Bombenanschlag

Unterdessen starben bei einem Bombenanschlag am Stadtrand von Falluja zehn amerikanische Marineinfanteristen. Die Soldaten befanden sich Militärangaben zufolge auf einem Streifgang, als am Donnerstag ein aus mehreren Artilleriegranaten zusammengebauter Sprengsatz explodierte. Elf weitere Soldaten seien verletzt worden. Es war der schwerste Verlust der US-Streitkräfte seit vier Monaten. Anfang August waren bei einem Anschlag von Haditha 14 US-Soldaten und ein Übersetzer getötet worden.

Die irakischen Sicherheitskräfte sind nach Einschätzung der Regierung in Bagdad noch weit davon entfernt, ohne Unterstützung der US-Truppen gegen die anhaltende Gewalt vorzugehen. Einem internen Bericht zufolge fehlt es an nahezu allem; gefordert werden mehr Personal, bessere Führungskräfte, neuere Ausrüstung und eine bessere Ausbildung der Männer. Es sei noch "ein weiter Weg zu gehen", heißt es in dem Bericht, der der Nachrichtenagentur AP am Freitag zugänglich gemacht wurde. (APA/dpa/AP/Reuters)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Zwei der entführten Friedensaktivisten in dem von Al Jazeera ausgestrahlten Video.

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