"Tabuisierung von (Homo-)Sexualität im Klerus beseitigen"

2. Dezember 2005, 21:14
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Ökumenische Arbeitsgemeinschaft Homosexuelle und Glaube fordert seriöse Auseinandersetzung

Heftig kritisierte die Ökumenische Arbeitsgemeinschaft Homosexuelle und Glaube (HuG) Steiermark in einer Aussendung die am Dienstag veröffentlichte vatikanische Instruktion, durch die schwule Seminaristen faktisch von der Priesterweihe ausgeschlossen werden.

"Damit schafft die Kirche ein Sonderrecht für homosexuelle Priesteramtskandidaten, das nicht nur dem katholischen Weltkatechismus widerspricht, sondern auch sachlich völlig ungerechtfertigt ist. Seriösen Schätzungen zufolge sind schon jetzt etwa 20 bis 30 Prozent des katholischen Klerus homosexuell und die weitaus überwiegende Mehrheit dieser Priester versieht ihren seelsorgerlichen Dienst zur vollsten Zufriedenheit nicht nur des Kirchenvolkes sondern auch ihrer Vorgesetzten."

"Unfähigkeit"

"Wenn nun über die Einhaltung des Keuschheitsgelübdes hinaus von schwulen Seminaristen implizit gefordert wird, ihre sexuelle Orientierung zu verleugnen oder zu gehen, beweist die Amtskirche einmal mehr ihre Unfähigkeit, sich mit dem Thema Homosexualität seriös und wissenschaftlich fundiert auseinander zu setzen."

Engagierte Menschen, die ihre Begabungen in den Dienst ihrer Kirche und des Evangeliums stellen möchten, würden dadurch zur Verleugnung ihrer wahren Persönlichkeit gezwungen und an der Herausbildung einer reflektierten und reifen sexuellen Identität gehindert.

Forderung

Wiederholt fordert daher die HuG die Österreichische Bischofskonferenz auf, das Grundübel der Tabuisierung von (Homo-)Sexualität im Klerus endlich zu beseitigen, statt Homosexuelle allein mit Hinauswurf zu bedrohen und sie dadurch zu einem Doppelleben mit allen seinen oft dramatischen psychischen Folgen zu zwingen.

Zum Vorbild könne sie sich dabei die Schweizer Bischofskonferenz nehmen, die in ihrer Stellungnahme zum Vatikan-Dokument unter anderem festhielt: "Im Mittelpunkt unserer Abklärungen zur Zulassung zum Priesteramt steht nicht die sexuelle Orientierung, sondern die Bereitschaft zur konsequenten Christusnachfolge." (red)

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