Zerreißprobe für Nikolo und Krampus

6. Dezember 2005, 17:04
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Mandarinen, Lebkuchen, Wal- und Erdnüsse sind unverzichtbare Gaben des Heiligen Nikolaus. Nikolosackerl im Test

Ob auch noch der Zwetschgenkrampus in die verschiedenen Nikolosackerln passt, hat Evelyn Steinthaler ausprobiert.


In der angloamerikanischen Welt bringt St. Nikolaus - alias Santa Claus - zu Weihnachten die Geschenke, bei uns ist er gemeinsam mit dem Krampus am 5. Dezember, am Vorabend seines Namenstages, unterwegs, um den Kindern kleine Geschenke zu bringen. Der Besuch des Heiligen Nikolaus ist für die meisten Kinder ein frühes Etappenziel im Advent, um die Zeit bis Weihnachten etwas zu verkürzen.

In katholischen Ländern hat sich bis heute die Darstellung vom Nikolo als Bischof im entsprechenden Ornat gehalten. Im Gegensatz dazu tragen Father Christmas in England und Santa Claus in den USA seit Ende des 19. Jahrhunderts zum weißen Rauschebart den rot-weißen Wams und die schwarzen Stiefel, und auf die gezähmt teuflische Begleitung vom Krampus wird dort kein Wert gelegt.

"Zuständig" auch für Reisende, Kaufleute, Bierbrauer, Richter und Gefangene und die Feuerwehr

Nur bei wenigen Heiligen ist das Brauchtum so reich, und um kaum einen anderen Heiligen ranken sich so viele Geschichten wie um Nikolaus von Myra. Obwohl er vor allem als Schutzpatron der Kinder fungiert, ist er unter anderem auch als spezieller Heiliger für Reisende, Kaufleute, Bierbrauer, Richter und Gefangene und die Feuerwehr "zuständig".

Musikalisch gibt es unterschiedlichste Werke zu seinen Ehren: Der Komponist Benjamin Britten schrieb 1948 die Kantate "Saint Nicolas". Das Lied "Lasst uns froh und munter sein!" ist bei Kindern in unseren Breiten wohl bekannter. ". . . bald ist Nikolausabend da!" heißt es darin - und tatsächlich dürfen sich Groß und Klein auf Nikolaus und seine Gaben freuen.

Wann allerdings "bald" ist, hat sich im Laufe der Jahrhunderte mehrfach geändert: Im frühen Mittelalter wurden die Kinder am 28. Dezember, dem Tag der Unschuldigen Kinder, beschenkt; im 13. Jahrhundert wurde die Geschenkübergabe auf den 6. Dezember verlegt (dabei gab es auch am Lucientag, dem 13. Dezember einen speziellen Beschenktag für Mädchen, der noch heute in in Schweden gefeiert wird, obwohl sich auch hier Weihnachten etabliert hat), ehe sich ab der Reformation das heutige Weihnachtsfest nach und nach als Bescherungs- und Kinderfest weit gehend durchsetzte.

Wurf- und Streubräuche am Nikolausabend mit Äpfel, Nüssen und Gebäck

So wechselhaft die Termine und Termini (von St. Nikolaus bis Father Christmas), so unterschiedlich war und ist auch die Form der Geschenkübergabe: Schon in vorreformatorischen Zeiten wurden am Nikolausabend Äpfel, Nüsse und Gebäck in einen Raum geworfen, in dem sich die Kinder der Familie aufhielten. Diese Wurf- und Streubräuche haben sich bis heute zum Beispiel in den Niederlanden erhalten. Mit dem "Nikolaus-Schiffchen", einem von den Kindern gebastelten Gabenteller, der erstmals im 15. Jahrhundert gebräuchlich war, begannen die heute noch verbreiteten "Einlege- und Einkehrbräuche" zu St. Nikolaus.

Während in der anglo-amerikanischen Welt die Kinder Strümpfe an den Kamin hängen, in die Santa Claus seine Gaben stopft, stellt der Nachwuchs in unseren Breiten Schuhe oder Stiefel aufs Fensterbrett, die am nächsten Morgen hoffentlich mit lauter Leckereien - symbolisch Futter für den Esel des Heiligen: Nüsse, Mandarinen, Lebkuchen - gefüllt sind.

Kommt der Heilige Nikolaus allerdings persönlich, um die Kinder für ihr Verhalten im vergangenen Jahr zu loben oder gegebenenfalls zu ermahnen, dann bringt er seine Gaben in kleinen Jute- oder Filz-, Zellophan- oder roten Papiersäckchen mit Nikolo- oder Krampusabbildung mit.

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Die Kriterien

Als zentrales Kriterium galt in diesem Test die Haltbarkeit beziehungsweise Reißfestigkeit des jeweiligen Kandidaten. Weiters wurde die Größe des jeweiligen Sackerls bewertet: Wie viele Mandarinen, Erdnüsse und Lebkuchen passen in ein Nikolsackerl? Als Testmenge wurden fünf größere Mandarinen, vier mittelgroße Lebkuchen und eine gute Hand voll Nüsse (gemischt) verwendet. Die Nikolo-Darstellung wurde ebenfalls unter die Lupe genommen: Ist er Furcht erregend, freundlich oder neutral in der Erscheinung? Außerdem konnten wir nicht widerstehen, auch selbst ein Nikolosackerl zu basteln und dieses in den Test einzubeziehen.


Die Ergebnisse

Nikolosackerl groß, Papier,
um 0,90 € z.B. in der Trafik Rosam, 1080 Wien

Mit einer Größe von 43 x 29 cm handelt es sich bei diesem klassischen Nikolosackerl aus rotem Papier um den größten Testkandidaten. Hier passen trotz Zwetschgenkrampus mehr Mandarinen, Nüsse, Lebkuchen hinein als geplant, und auch mehrere kleine Geschenke können hier gut untergebracht werden. Man sollte allerdings darauf achten, keine allzu spitzen Gegenstände - etwa einen Bleistift - in dem Sackerl zu verstauen, da das doppellagige Papier nicht besonders reißfest ist. Auch beim Verschließen des Sackerls sollte man Vorsicht walten lassen, denn die rote Schnur reißt bei zu viel Krafteinsatz rasch das kreppartige Papier ein - was wiederum ungeduldige Kinder beim Öffnen erfreuen dürfte. Ebenso wie die Optik dieses Testkandidaten: Der Papiernikolo blickt freundlich und bedächtig und hat seinen Bischofsstab nebst Bibel und Gabensack vertrauenswürdig gut im Griff.
8,6 Punkte

Nikolosackerl aus Jute
um 2,49 € bei Libro

Hier tummelt sich zwar eher ein rotnasiger Father Christmas auf dem Nikolosackerl als der Heilige Nikolaus, wir haben es aber dennoch in den Test aufgenommen, da der aufgeklebte, kleine Geselle aus Filz besonders entzückend vom braunen, 22 x 30 cm großen Jutesackerl blickt. Zwei goldene Sterne vervollkommnen die äußerst plastische Darstellung des Gabenbringers. Dass hier eine rote Plastikkordel zum Verschließen verwendet wird, stört ob des opulenten Materialmixes kaum. Mandarinen, Nüsse und Lebkuchen finden in diesem Sackerl gut Platz, wer aber auf einen essbaren Krampus oder ein zusätzliches Geschenk nicht verzichten will, sollte mit den Goodies nicht unbedingt klotzen.
7,8 Punkte

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um 0,25 € bei Interspar

Besonders gütig oder liebevoll schaut dieser stark stilisierte Nikolo nicht drein, sein Gesichtsausdruck ist eindeutig neutral. Auch dieser Heilige wird mit Gabensack, Mitra und Bischofsstab nebst dem Schriftzug "Gruß vom Nikolo" auf dem knapp 27 x 16 cm großen roten Zellophan-Nikolosackerl abgebildet. Zwar passt in dieses Säckchen nicht besonders viel, doch die obligatorischen Mandarinen, Lebkuchen und eine kleine Hand voll Nüsse bringt man gut unter. Mit weiteren Geschenken muss man sich aus Platzmangel zurückhalten. Wer partout einen Zwetschgenkrampus mitschenken möchte, kann diesen oben aus dem reißfesten Sackerl herausschauen lassen: An der Öffnung ist ohnehin kein Bändchen angebracht.
7,5 Punkte

Nikolosackerl Zellophan
um 0,30 €, z.B. in der Trafik Rosam, 1080 Wien

Hier ist minimalistisches Schenken angesagt, denn wirklich viel bringt man in dem 23 x 14 cm kleinen, dunkelroten Zellophan-Nikolosackerl nicht unter. Sind erst einmal vier Mandarinen und ein paar Erdnüsse drin, passt nur noch ein kleiner Lebkuchen und vielleicht ein ganz besonders kleines Geschenk hinein. Damit bietet sich dieser reißfeste Kandidat mehr als Geschenksackerl für Erwachsene an. Der Heilige ist im Halbprofil gleich neunmal nebst güldenen Sternen zu sehen und bewegt sich bedächtig über den mehrfach angebrachten Schriftzug "Gruß vom Nikolo".
7,3 Punkte

Nikolosackerl aus Jute
um 1,49 € bei Interspar

Hübsch dunkelrot präsentiert sich dieses 25 x 35 cm große Nikolosackerl, das mit einem freundlich, rotbäckigen ca. 20 cm großen Nikolo aus Papier verziert ist. Auf den ersten Blick zeigt sich die Jury begeistert, da das Sackerl "weihnachtlich-rustikalen Chic" aufweist und neben fünf Mandarinen, vier Lebkuchen und der obligaten Hand voll Nüsse auch noch der Zwetschgenkrampus und ein kleines Geschenk bequem Platz finden. Bei genauerer Inspektion gibt es jedoch Beanstandungen, was die Verarbeitung betrifft: "Mit den losen Fäden im Inneren des Sackerls kann man noch leben", notiert eine Testerin, dass sich aber die schlecht aufgeklebte Nikolofigur nach nur wenigen Stunden vom Sackerl zu verabschieden droht, missfällt der Jury ebenso wie die nicht zur Jute passende weiße Kunststoffkordel.
6,9 Punkte

Außer Konkurrenz:
Selbst gebasteltes Filz-Nikolosackerl
um ca. 3,50 €

Auf ein selbst gebasteltes Nikolosackerl konnten wir in diesem Test nicht verzichten: Im Wiener Stoffhaus Komolka besorgten wir hellroten Bastelfilz um 8 € pro Meter (180 cm breit) und passende Baumwollkordel um 1 € pro Meter. Die genähten Sackerln haben ein Maß von ca. 40 x 25 cm und wurden im Freestyle bestickt oder mit klassischen papierenen, freundlichen Nikolofiguren (um 0,10 €, z.B. aus dem Papierfachgeschäft Mastnak, 1070 Wien) beklebt. Das Resultat: Durch die doppelten Nähte gibt es in Fragen der Reißfestigkeit keinerlei Probleme. In puncto Befüllung ist genug Platz für die "must haves" und etwaige Extrageschenke. Damit sind diese Sackerln eindeutig unsere Favoriten! theoretisch 9,8 Punkte
(DER STANDARD, Printausgabe vom 3./4.12.2005)

  • Artikelbild
    foto: cremer
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