Schneeverweigerer

11. Dezember 2005, 17:47
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Indoor-Sport in Vorarlberg wird zunehmend zur Schneealternative

Es soll ja vorkommen, dass sich der eine oder andere so gar nicht von frisch präparierten Pisten angezogen fühlt und lieber in der guten Stube bleibt. Kann auch sein, dass einige darunter sind, die trotzdem Sport betreiben möchten. Würde man nun mit einem Augenzwinkern auf die Idee kommen, "die ideale Indoor-Sportregion" zu küren, wird man Vorarlberg sicherlich berücksichtigen müssen.

Verantwortlich für diesen "Stockerlplatz beim Indoor-Sport-Ranking" ist wohl auch der Umstand, dass man die meisten Angebote dort recht ansprechend verpackt hat: Wer sich die verschneite Landschaft nur durchs Panoramafenster ansieht, legt vielfach Wert auf aufregende Architektur. Das stylische Resort-Projekt "Val Blu" in Bludenz ist mit seinen Indoor-Angeboten noch gar nicht lange im Vollbetrieb - seit September wird dort eine großzügige Kletterwand erklommen und den Fußballern hat man immerhin einen 23 mal 15 Meter großen Kunstrasen in die Halle gerollt. Gedacht ist das Angebot dennoch nur als Ergänzung zu den über 200 Liftanlagen in der Umgebung.

"Vorarlberger Austauschprogramm"

In Dornbirn legte man noch im selben Monat ein paar Ziegelreihen nach und dachte wohl an diejenigen, die überhaupt nicht vor die Tür gehen wollen. Beim ebenfalls relativ neu eröffneten Panoramahaus dürfte es sich wohl um ein "Vorarlberger Austauschprogramm" handeln: Während sich das Kunsthaus Bregenz bis vergangenen Mittwoch mit einer Architektur-Werkschau in New York präsentierte, verpasste Architekt Bügelmayer Dornbirn einen Miniatur-Wolkenkratzer, der ein wenig Manhattan ins Ländle holt.

Der nunmehr höchste Bau Vorarlbergs mit Blick bis zum Bodensee vereint auf seinen dreizehn Stockwerken einen 6500 m² großen Wellness- und Fitnessbereich, ein Zentrum für Lifestyle-Medizin und in den oberen Stockwerken ein Viersternehotel der Sheraton-Gruppe. Somit richtet sich das Angebot des Hauses wohl einerseits an Gäste der Region, die nicht unbedingt die klassische Zirbenstube suchen, andererseits aber auch an die Dornbirner selbst. Die "Anforderungen" ans heimische und reisende Publikum sind die gleichen. Mit rund 1000 € Jahresmitgliedschaft im "Home of Balance"-Club und Wochenendpackages für ca. 200 € pro Person im Doppelzimmer mit Frühstück erwartet man doch eine gewisse Liquidität, bietet dafür aber auch entsprechend viel Nass: Neben dem ganzjährig benutzbaren, weil beheizten Außenpool, stehen unter anderem Sole-Sprudelbäder, Whirlpool, Aqua-Fitness-Geräte, ein Hamam, Dampfbäder und Saunen drinnen wie draußen zur Verfügung.

An New Yorker Verhältnisse im Bezug auf die Geschwindigkeit hat man sich mit den zwei angebotenen, in Österreich bisher einzigartigen, "Spa Capsules" angepasst: In einem "Schnellwaschgang" wird man in den futuristischen Kapseln mit warmem Wasser massiert und mit dem eingebauten Sound-System "weichgespült". Zehn Minuten sollen reichen, damit man danach völlig entspannt im Einkaufszentrum nebenan seine Weihnachtseinkäufe erledigen kann. (saum, Der Standard, Printausgabe 3./4.12.2005)

  • Lediglich zum Schwimmen muss man sich im Panoramahaus nach draußen begeben. Der Pool ist aber beheizt.
    foto: home of balance

    Lediglich zum Schwimmen muss man sich im Panoramahaus nach draußen begeben. Der Pool ist aber beheizt.

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