Musikalische Beziehungsarbeit

8. Dezember 2005, 18:34
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Die Wiener Staatsoper gastierte in Belgrad

Es war, wie es sich gehört, wenn die Wiener Staatsoper ein Gastspiel gibt - und zwar zum ersten Mal in Serbien: Die Medien freuten sich über den Besuch der "besten Oper der Welt" und nannten den Besuch "eine Krönung" der immer besser werdenden Beziehungen zweier Länder.

Ioan Holender erinnerte daran, wie sehr die Kulturen Österreichs und Serbiens verflochten seien. Der große Saal des Belgrader Kongresszentrums "Sava" war randvoll, der eingeladene serbische Jetset durfte ein Programmheft, eine CD mit Mozarts Musik, ein kleines Fernglas und natürlich Mozartkugeln als Souvenir nach Hause mitnehmen.

Kein Wunder, dass die Aufführung von Mozarts Cos`i fan tutte bei solch einer Großzügigkeit für die normalen Opernfreunde geschlossen blieb. Diese Oper sei nicht so bekannt wie zum Beispiel die Zauberflöte, doch eine der schönsten und sensibelsten, und psychologisch intelligentesten Opern Mozarts, sagte Dirigent Leopold Hager.

Man habe sich für diese Oper auch deshalb entschieden, weil die Kapazität des Ensembles wegen des Repertoiresystems in Wien auf achtzig Mitglieder beschränkt bleiben musste. Jene, die den Auftritt in dem akustisch einzigartig schlechten Kongresssaal bewundern durften, waren entzückt: "Es war wie in einem Märchen", sagte die ehemalige Diva Biserka Cvejic.

Die Freikarten, die sie bekommen hatte, verteilte sie an junge serbische Sänger, die sonst "einfach keine Möglichkeit haben", zu hören, wie man Mozart "richtig" interpretiert. Dieses Gastspiel sei ein "riesiges Geschenk" für Serbien gewesen, meinte Cvejic.

Geschäft und Geschenk

Das Geschenk hat die Finanzgruppe um den österreichischen Geschäftsmann Martin Schlaff ermöglicht, die einen Teil der serbischen Telekom gekauft hat. Dem wegen ungeregelter Eigentumsverhältnisse rechtlich umstrittenen Deal muss allerdings erst noch die serbische Regierung zustimmen. So sehen manche denn auch das Gastspiel nicht nur als kulturelles Ereignis für Serbien, sondern auch als Selbstpromotion des Sponsors. (DER STANDARD, Printausgabe, 03./04.12.2005)

Von Andrej Ivanji aus Belgrad
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