Kein Sitz für Moslembruderschaft in dritter Wahlrunde

26. Dezember 2005, 16:11
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Am Mittwoch Stichwahlen in 127 ägyptischen Stimmbezirken

Kairo - In der dritten Runde der Parlamentswahl in Ägypten konnten lediglich neun Kandidaten auf Anhieb ein Mandat gewinnen. In 127 Wahlkreisen werden am kommenden Mittwoch Stichwahlen notwendig, weil keiner der Kandidaten eine absolute Mehrheit erzielte, wie die Wahlkommission am Freitag bekannt gab. In der dritten Runde ging zunächst kein Mandat an Anhänger der Moslembruderschaft, obwohl diese in den beiden ersten Runden erstaunlich gut abgeschnitten hatten.

Es war das erste Mal seit Beginn der Wahl am 9. November, dass die Moslembruderschaft in einer Teilabstimmung überhaupt keinen Sitz errang. Beobachter führten dies auf massive Störaktionen seitens der Sicherheitskräfte zurück. In mehreren ländlichen Gebieten, in denen ein Sieg der Opposition zu erwarten war, wurden Wähler an der Stimmabgabe gehindert. In Kafr el Sheik nördlich von Kairo wurde ein Mensch getötet, als Polizisten das Feuer auf eine Menge eröffneten, die sich Zugang zum Wahllokal verschaffen wollte.

Eine Gruppe liberaler Richter drohte am Freitag, sie werde sich womöglich weigern, die Stichwahl im Auftrag der Regierung zu überwachen. Eine Entscheidung werde der so genannte Richterclub am Sonntag fällen. Dessen Vertreter Ahmed Mekki warf der Polizei vor, sie habe zugelassen, dass "Schlägertypen" die Richter in einigen Wahllokalen angegriffen hätten.

Der Wahlkommission zufolge errang die Nationaldemokratische Partei von Präsident Husni Mubarak am Donnerstag vier Mandate. Vier weitere gingen an unabhängige Kandidaten, einen Sitz erzielte die säkulare Oppositionspartei Wafd. Die Moslembruderschaft war ebenfalls mit formell unabhängigen Kandidaten angetreten, immerhin 35 von ihnen qualifizierten sich für die Stichwahl.

In den ersten beiden Wahlrunden errang diese Oppositionsbewegung bereits 76 Sitze, nachdem es im bisherigen Parlament nur 15 waren. Die seit Jahrzehnten regierenden Nationaldemokraten konnten sich allerdings schon mehr als 200 Mandate sichern, andere Oppositionsgruppen und parteilose Kandidaten rund 30. (APA/AP)

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