US-Doppelsieg in Beaver Creek

7. Dezember 2005, 15:08
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Daron Rahlves gewinnt die verkürzte Abfahrt vor Bode Miller - Johann Grugger Dritter vor Fritz Strobl - Walchhofer und Maier zweistellig

Beaver Creek - Die Herren-Abfahrt in Beaver Creek hat wie im Vorjahr einen US-Doppelsieg gebracht, diesmal gewann jedoch Daron Rahlves vor Bode Miller. Hinter den beiden Raubvogel-Spezialisten riss Johann Grugger in einem wahren Abfahrts-Marathon mit gleich vier Unterbrechungen als Dritter die Kastanien für den ÖSV aus dem Feuer. Fritz Strobl verteidigte als Vierter seine Abfahrts-Weltcupführung und kommt damit im roten Trikot nach Europa. Gesamt führt nach wie vor der Norweger Aksel Lund Svindal.

Schwierige Wetterbedingungen

Einen Tag nach dem umstrittenen Super G ging wie durch ein Wunder trotz erneuten Schlechtwetters die Spezialabfahrt in Beaver über die Bühne. Nebel im Mittelteil sorgte aber für so viele Unterbrechungen, dass der mit Nummer 27 fahrende Sieger erst nach eineinhalb Stunden fest stand, obwohl die Abfahrt wegen Windes im oberen Teil um 25 Fahrsekunden verkürzt worden war. Die kürzeste Abfahrt bisher in Beaver Creek (Siegerzeit 1:13,37 Minuten) wurde damit auch zur längsten.

Die lange Warterei lohnte sich vor allem für die tausenden US-Fans, denn Rahlves und Miller legten auf der superschnellen Piste wahre Höllenritte hin und feierten wie im Vorjahr - damals war es der erste in der US-Abfahrtsgeschichte gewesen - einen Doppelsieg. Sie mögen sich dabei an ihre jüngstes Abenteuer erinnert haben, waren doch beide wenige Wochen zuvor zu Werbezwecken in F16-Kampfjets über die Piste gedonnert. Rahlves verspürte besondere Genugtuung, er will ja unbedingt im Februar Olympiasieger werden und dann zurücktreten. US-Verbandspräsident Bill Marolt war jedenfalls zu Tränen gerührt.

Halbwegs faire Bedingungen

Die vielen Unterbrechungen sorgten dafür, dass am Ende die besten Abfahrer der Welt doch akzeptable Bedingungen hatten. Die ersten Fünf hatten Startnummern ab 24 aufwärts. Nur einer ließ aus dieser Gruppe aus und das war ausgerechnet Hermann Maier mit Nr. 26. Der Achtfachsieger in Beaver hatte schon im oberen Teil einen ähnlich schweren Fehler wie im Super G von Lake Louise, wurde ex aequo mit Benni Raich nur 19.. Maier schleuderte im Ziel wütend alles von sich.

"Ich habe oben gleich die erste Kurve versäumt. Ich konnte einfach nicht ans Limit gehen, ich habe derzeit nicht viel Vertrauen in mein Material", ärgerte sich der Skistar aus Salzburg. "Bei mir stimmt der Schwungansatz überhaupt nicht." Immer nachdenklicher wird auch Abfahrts-Weltcuspieger Michael Walchhofer, der als Zehnter zwar drittbester Österreicher war, aber erneut unter seinen Erwartungen blieb. "Was soll ich sagen? 1,2 Sekunden hinter dem Sieger, das ist mehr Abstand als mein Fehler oben ausgemacht hat. Ich habe gewusst, dass es wieder kein faires Renen gibt. Irgendwann verlässt einen da die Freude am Skifahren", sinnierte der Salzburger.

Auch frohe ÖSV-Gesichter

Happy waren hingegen Grugger und Strobl. "Es war echt mühsam zu fahren, in der Früh hätte ich nicht mit einem Rennen gerechnet. Aber die wirkliche Schwierigkeit war, wegen der vielen Verschiebungen die Konzentration zu bewahren", sagte Grugger, freute sich aber: "Im Gegensatz zum Super G bin ich heute fehlerfrei gefahren." Strobl mente: "Unter diesen schwierigen Umständen bin ich mit Platz vier wirklich zufrieden. Ich habe das rote Trikot verteidigt, das taugt mir."

Freundlicher als nach dem Super G schaute auch die Schweizer Bruno Kernen (5.) und Didier Cuche (9.) aus ihrer Ski-Wäsche. Am Donnerstag hatte die beiden noch heftigste Kritik geübt. "Heute haben sie es richtig gemacht und einfach immer gewartet, bis die Verhältnisse gut sind. Ich frag mich nur, warum man dann den Super G so durchgepeitscht hat", sagte Cuche. "Ich entschuldige mich, wenn ich jemand mit meiner Kritik verletzt habe. Aber man darf nicht warten, bis wieder jemand im Rollstuhl sitzt."

Fahrer-Gewerkschaft wieder im Gespräch

Nach dem Super G hatte es auch im ÖSV-Lager lange interne Diskussionen gegeben, sogar eine Fahrer-Gewerkschaft ist nun wieder im Gespräch gewesen. "Wir Fahrer wollen uns am Start einfach darauf verlassen können, dass es auf der Strecke sicher ist", sagte Benjamin Raich, der als 19. unter seinen Erwartungen blieb. "Ein Rennen auf Raten ist natürlich nicht optimal", sagte der Tiroler, der nun auf bessere Ergebnisse in den beiden Technik-Rennen hofft. "Wie sehr die Form in Riesentorlauf und Slalom passt, wird sich weisen. Das Gefühl ist jedenfalls gut." (APA)

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    Darren Rahlves und Bode Miller waren auf der verkürzten "Birds of Prey" nicht zu schlagen.

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