"Ich werde doch nicht weglaufen"

8. Dezember 2005, 18:50
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ProCredit-Chef Claus-Peter Zeitinger im Wortlaut

Über die G-8-Initiativen zu Afrika: "Ich gehöre nicht zu den Schwätzern und gehe nicht auf Konferenzen. Und ich mag es auch nicht, wenn Politiker wie Clinton, Chirac oder Blair, die sich ansonsten nicht um die Armut kümmern, dann plötzlich so tun, als wären ihnen die Afrikaner wichtig."

Über die Gefahr politischer Instabilität: "Ich werde doch nicht weglaufen, bloß weil in Haiti Banden die Bevölkerung terrorisieren. Das ist so, wie wenn man in der U-Bahn wegläuft, wenn jemand anderer attackiert wird - und das dann mit billigen Sprüchen erklärt wie: ,Das Kapital ist wie ein scheues Reh.' Das ist Mist."

Über wohltätige Mitbewerber: "Alle glauben, dass arme Leute keine hohen Zinssätze bezahlen können. Das ist Schwachsinn. Aber wenn man Mikrokreditgeber politischer Natur ist, dann gibt es gewisse Dinge, die man seinen Geldgebern nicht vermitteln kann. Sonst gibt es Ärger in der Kirchengemeinde oder der NGO. Dieses Problem hatten wir nie. Deshalb sind wir profitabel."

Über die Chancen seiner Kreditkunden: "Ich glaube nicht, dass sich meine Kleinunternehmer zwangsläufig zu Millionären entwickeln müssen. Nur sehr wenige haben die Chance, ihre soziale Schicht zu verlassen. Auch in einem Dorf bei uns wächst nicht jeder. Aber alle brauchen Finanzdienstleistungen und eine Bank, die sich um sie kümmert. Das versuche ich zu bauen." (DER STANDARD, ALBUM, 3./4.12.2005)

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