"Energiepolitischer Nihilismus"

8. Dezember 2005, 18:35
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Atomkraftgegner wollen alte Idee der "Energiewende" neu beleben

Am 5. November 1978 entschied sich bei einer Volksabstimmung über die Inbetriebnahme des Atomkraftwerks Zwentendorf eine hauchdünne Mehrheit von 50,5 Prozent gegen Atomkraft in Österreich. Seither ist das Thema politisch tabu. Freilich importieren Österreichs Energieversorger immer mehr Atomstrom - inzwischen doppelt so viel als Zwentendorf je produziert hätte.

Die Argumente gegen den vermeintlich billigen, sauberen und sicheren Strom aus dem Atom sind dabei seit 27 Jahren de facto unverändert. Peter Weish, Präsident des Forums Österreichischer Wissenschafter für Umweltschutz, wundern die jüngsten Vorstöße von Großbritanniens Tony Blair oder Italiens Silvio Berlusconi für einen Ausbau der Atomkraft nicht.

"Der Atomindustrie geht es extrem schlecht, die raufen ums Überleben", so Weish. Neue Absatzmärkte wollen erschlossen werden, mit strategischer Energiepolitik habe das alles nichts zu tun, ist der Ökologe überzeugt .

Strahlende Zwillinge

Außerdem seien die zivile und militärische Atomkraft in Ländern wie Frankreich "siamesische Zwillinge". Von dieser Industrielobby "moralisches Kalkül zu erhoffen, ist wie auf das Lächeln der Maschinen zu warten", so Weish.

Heute, Samstag, rufen Österreichs Umweltorganisationen auf dem Kongress "Zwentendorf 2006" zu einer Neubelebung der Idee einer "Energiewende" im kommenden Wahljahr auf. Das Klimaschutzargument für die Atomkraft sei reine Augenauswischerei. Nötig sei hingegen eine "Doppelstrategie" aus Energiesparen und dem forcierten Einsatz erneuerbarer Energie. Weish: "Auch gegen den energiepolitischen Nihilismus dieser Bundesregierung wollen wir uns betätigen und die Politik aufwecken."

Kurzfristig gebe es für die Atomkraft nur ein starkes Argument, sind die Gegner überzeugt, nämlich die steigenden Öl- und Gaspreise. Aber anstatt die Abhängigkeit vom Öl gegen die Abhängigkeit vom Atomstrom einzutauschen, seien Biomasse, Solarenergie und Windkraft angesagt. Weish: "Das wäre viel kostengünstiger, wesentlich schneller umzusetzen, obendrein beschäftigungsintensiv und ganz hundertprozentig im Sinne der Verbraucher." (Michael Bachner, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 3./4.12.2005)

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