Gesundete Karte

2. Dezember 2005, 18:43
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Noch vor einem Jahr hätte niemand an den Erfolg des Projekts E-Card geglaubt - Von Lisa Nimmervoll

Es war eine schwere Geburt, aber jetzt ist sie geschafft: Die letzten von insgesamt 8,2 Millionen E-Cards sind unterwegs zu ihren künftigen Inhabern. Noch vor einem Jahr hätte das kaum jemand für möglich gehalten. Es gab genügend Zwischenfälle, die das Projekt immer wieder an die Kippe zum Scheitern gebracht haben. Eigentlich sollte der elektronische Kartenersatz für den Krankenschein schon 1998 für alle Versicherten beim Arztbesuch Wirklichkeit sein. Doch seit Beginn der Planungen vor über einem Jahrzehnt mutete die Geschichte der E-Card zeitweise wie eine Aneinanderreihung von Pannen an, die darin gipfelte, dass im Frühjahr 2003 das ganze Projekt quasi neu gestartet werden musste, weil eine Firma ausfiel.

Doch dann ging es auf einmal relativ rasch und fast reibungslos. Dass zwei Prozent der Karten fehlerhaft waren, regt keinen Experten wirklich auf, das ist weniger als "normalerweise" bei solchen Projekten. Und die Versuche vor allem seitens widerständiger Ärztevertreter, erwartbare "Kinderkrankheiten", die ein Riesenprojekt, das die E-Card zweifelsohne ist, immer hat, zu irreparablen Geburtsfehlern hochzustilisieren, erwiesen sich als nicht haltbar. Diese Kritiker - vor allem aus dem EDV- Entwicklungsgebiet Wien, wo nur zwei Drittel der Ordinationen Computer hatten - wurden eines Besseren belehrt.

Die Karte funktioniert - vier Stunden und 14 Minuten Totalausfall sind vernachlässigbar. Die Karte ist praktisch - die Zettelwirtschaft vermisst niemand. Und das Wichtigste: Die Karte wird akzeptiert - von den Versicherten schon jetzt, weil sie die Vorteile schnell zu spüren bekamen. Und auch die Ärzte werden sich daran gewöhnen. Denn die wirklich sensible Phase des Projekts kommt erst: Wenn es darum geht, den Datenschutz für immer mehr Gesundheitsdaten auf der Karte zu garantieren. (DER STANDARD, Printausgabe, 3./4.12.2005)

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