Brasilien will mit Sondergipfel WTO-Verhandlungen retten

14. Dezember 2005, 13:15
2 Postings

Ein Spitzentreffen noch vor der WTO-Ministerkonferenz ab 13. Dezember in Hongkong soll die festgefahrene Liberalisierungsrunde "dynamisieren"

Budapest/Washington – Brasilien hat noch vor der WTO-Konferenz Mitte Dezember ein Treffen auf Spitzenebene vorgeschlagen, um die derzeit stockenden Verhandlungen in Schwung zu bringen. Wie der britische Premierminister Tony Blair am Freitag in Budapest sagte, habe ihm der brasilianische Präsident Luiz Iná^cio Lula da Silva diesen Vorschlag in einem Telefongespräch unterbreitet.

An diesem Freitag und Samstag treffen einander in London die Finanzminister der G-7-Staaten. Auch die Ressortchefs aus Brasilien, Indien, China und Südafrika sind bei dem Treffen anwesend, das nach Blairs Worten "den WTO-Prozess dynamisieren" soll. Die WTO-Verhandlungen vom 13. bis 18. Dezember sollen in Honkong so weit gedeihen, dass im Jahr 2006 ein Abschluss der Doha-Handelsrunde zur Liberalisierung des Welthandels möglich wird.

Die USA haben nach eigenen Angaben geringe Erwartungen an die WTO-Ministerkonferenz in Hongkong, hoffen aber dennoch auf Fortschritt beim Streitthema Landwirtschaft.

Der US-Handelsbeauftragte Rob Portman sagte in Washington, er gehe weiter davon aus, dass ein Durchbruch bei den Bemühungen um einen freien Welthandel erreicht werden könne. Eine Vereinbarung sei bis spätestens Mitte 2006 erforderlich.

Er appellierte erneut an die EU, mehr Zugeständnisse beim Zugang für ärmere Länder zu den europäischen Agrarmärkten zu machen.

Die laufende so genannte Doha-Welthandelsrunde begann 2001 und hat zum Ziel, die Volkswirtschaften ärmerer Länder durch mehr Freihandel weltweit zu stärken.

Im Zentrum der Debatte steht seit Monaten der Agrarsektor. Viele Entwicklungsländer sind auf den Export ihrer Agrarprodukte angewiesen. Allerdings zögern die reichen Länder, ihre zumeist stark subventionierten Agrarmärkte weiter zu öffnen.

EU-Handelskommissar Peter Mandelson hatte schon zu Beginn der Woche gesagt, die Europäische Union erwarte in diesem Jahr keinen Durchbruch mehr bei den Welthandelsgesprächen. (miba, dpa, Reuters, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 3.12.2005)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Während die Proteste gegen die WTO weitergehen, zeichnet sich immer stärker ein Scheitern der Liberalisierungs- Verhandlungen im Welthandel ab.

Share if you care.