OMV gibt Entwarnung bei Ölpreisentwicklung

21. Dezember 2005, 14:40
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Generaldirektor Ruttenstorfer sieht den Ölpreis schon in zwei Jahren wieder bei 30 bis 35 Euro pro Fass

Wien – Steigende Ölpreise haben die Weltwirtschaft 2005 in Atem gehalten, waren der wesentlichste Grund für höhere Inflationsraten, zuletzt für eine Zinssteigerung der Europäischen Zentralbank. Aber OMV-Generaldirektor Wolfgang Ruttenstorfer, der zu den Nutznießern hoher Ölpreise gehört, gibt Entwarnung: Die OMV rechnet zwar im nächsten Jahr noch mit einem "hohen Niveau" von 50 Dollar pro Fass. Aber früher als bisher angenommen, etwa in zwei Jahren, sollte der Durchschnittspreis wieder auf 30 bis 35 Dollar sinken.

"Die Wirkung des hohen Preises wird unterschätzt", sagt Ruttenstorfer, "der Marktmechanismus funktioniert". Der starke Bedarf – vor allem durch die USA und China – lasse nach, auch in Westeuropa steigt die Nachfrage nicht mehr, in den Erweiterungsländern nur noch gering. Gleichzeitig verbessert sich die Angebotsseite, zusätzliche Mengen kommen aufgrund der hohen Preise auf den Markt, "das sollte den Markt runterbringen", begründet Ruttenstorfer.

Warmer Regen

Vorläufig sind die hohen Preise für die OMV AG und ihre Eigentümer – darunter die Republik Österreich – eine Art warmer Regen: Im heurigen Jahr können sie mit einer kräftigen Erhöhung der Dividende rechnen. Ruttenstorfer wollte zwar noch keine konkreten Zahlen nennen, erklärte jedoch, dass die "Payout Ratio" – die Relation zwischen Ertrag und ausgezahlter Dividende – auf keinen Fall geringer als im Vorjahr sein soll, was unterm Strich mehr Bares in die Aktionärskassa bedeutet. 0,44 Euro pro Aktie (nach dem 1:10-Split) wurden 2004 ausgeschüttet, Analysten von Erste Bank und BA-CA rechnen für heuer bereits mit 1,1 Euro.

Viel Freude mit Petrom

Der Erfolg hat, neben hohen Ölpreisen, mehrere Gründe. Nicht zuletzt dank des Kaufs der rumänischen Petrom, die "uns viel Freude macht" und bessere Ergebnisse als erwartet liefert, hat die OMV die für 2008 gesetzten Unternehmensziele (Verdoppelung der wesentlichen Eckdaten bei Förderung, Verkauf, Firmenwert) bereits heuer erreicht oder überschritten.

Jetzt legt Ruttenstorfer mit ambitionierten neuen Zielen für 2010 nach: Die OMV wolle bei den Großen – der Spielklasse unter den unerreichbaren "Supermajors" Exxon, Total, BP oder Shell – zu den besten gehören. Dazu soll u. a. die Förderung von derzeit 340.000 auf 500.000 Fass Öl pro Tag steigen, die Raffineriekapazität verdoppelt werden, der Gasabsatz von 14 auf 50 Mrd. Kubikmeter steigen.

"Alleinstellung"

Eine "Alleinstellung" wolle man im Gürtel zwischen Baltikum und Polen über den Balkan und Griechenland bis zur Türkei. Dabei wolle man der "weltweit am besten integrierte" Öl-/Gas-/Chemiekonzern sein, also in allen Bereichen der Wertschöpfungskette tätig sein. Um diese Stellung zu erreichen, sind jährliche Investitionen von 1,7 Mrd. Euro geplant, die auch bei dem erwarteten niedrigeren Ölpreis finanziert werden können – mögliche Großakquisitionen nicht eingerechnet.

Noch in einem anderen Bereich, bei dem es immer wieder Kritik an der OMV gab, will Ruttenstorfer glänzen: bei "Corporate Social Responsibility" (CSR), der Verantwortung von Unternehmen für Sozial- und Umweltentwicklung in den Ländern, in denen sie tätig sind. Dazu legte die OMV ihren zweiten Performance Report vor, der auch quantitative Daten dazu (so zum Beispiel über die Menge der Ölaustritte, Arbeitsunfälle und Umweltbelastungen) enthält. "Das ist wenig angenehm, aber es sind Dinge, die wir verbessern müssen", sagt Ruttenstorfer. (spu, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 3.12.2005)

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