"Einfach ein geiler Verein"

2. Dezember 2005, 18:58
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Toni Polster war nicht einmal ein halbes Jahr lang General Manager: "Stronach ließ mich nichts ent­scheiden" - ein Interview

Standard: Können Sie Frank Stronachs Rückzug nachvollziehen?

Polster: Er hat das selbst entschieden, es ist seine Sache. Er hat sich bemüht. Wahrscheinlich merkte er die Unzufriedenheit, da verliert man die Lust. Wenn einer der obersten Fanvertreter meint, der Rücktritt von Stronach ist wie Weihnachten, Ostern und Geburtstag an einem Tag, ist das schon bezeichnend.

Standard: Weshalb sind Sie als General Manager gescheitert?

Polster: Stronach gab mir ursprünglich weit reichende Kompetenzen, die er mir dann nicht zugestanden hat. Ich wollte etwas im Verein bewegen, durfte aber nicht. Ich konnte nichts selbst entscheiden. Ich machte deshalb auch keine Fehler, weil ich gar nicht die Macht hatte, welche zu begehen. Hätte ich gewusst, dass die Dinge so laufen, wäre ich in Deutschland geblieben und nicht zur Austria gekommen. Stronach vertraut keinem, er gibt sogar den Leuten, die von der Materie eine Ahnung haben, keine Zeit. Das sieht man an den vielen Trainerwechseln. Er will alles alleine machen.

Standard: Waren Sie einer der Initiatoren jener versuchten Revolution, die vom Vorsitzenden des Kuratoriums, Michael Häupl, noch vor der Generalversammlung im Keim erstickt wurde?

Polster: Absoluter Blödsinn. Ich befinde mich im Rechtsstreit mit Stronach wegen der Abfertigung nach meinem Rauswurf. Da wäre ich sehr dumm, würde ich im Hintergrund eine Revolution anzetteln und mich groß aufspielen. Ich hege auch keine Rachegefühle, weil ich ein Austrianer vom Scheitel bis zur Sohle bin. Das war immer so und wird immer so sein.

Standard: Wo sehen Sie die Wiener Austria in drei oder fünf Jahren?

Polster: Sie wird auch ohne Stronach zu den drei oder vier besten Teams in Österreich gehören. Weil die Austria einfach ein geiler Verein ist. (DER STANDARD, Printausgabe, Samstag, Sonntag, 3.,4. Dezember 2005)

ZUR PERSON:

Toni Polster (41) wurde im Dezember 2004 als neuer General Manager der Austria präsentiert, um Anfang Juni 2005 gefeuert zu werden. Er führt einen arbeitsgerichtlichen Prozess gegen Stronach, es soll um rund 500.000 Euro gehen.

Christian Hackl fragte nach.
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    Toni ließ es nicht allzu lange polstern.

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