Die Angst der Austria-Familie

2. Dezember 2005, 21:20
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Austria Magna verärgerte 2005 sogar schon in der Halle ihre Anhänger, im UEFA-Cup erreichte sie das Viertelfinale. Edlinger wickelte mit Stronach, Polster wickelte mit Kronsteiner, und die Lage spitzte sich immer mehr zu

Wien – Diesmal fackelt die Austria nicht so lange herum wie sonst. Noch während 2005 drei Könige ins Land ziehen, zieht sie sich den Unmut der Fans zu. Beim Hallencup tritt sie fast ausnahmslos mit Amateuren und Nachwuchsakademie-Kickern an und erleidet unter anderem gegen Rapid ein 2:7, Bundesliga-Vorstand Georg Pangl ist "enttäuscht" und will mit Liga-Chef und Austria-Mäzen Frank Stronach reden.

ÖFB-Präsident Friedrich Stickler zieht über die Bundesliga insgesamt her. "Ich verstehe die Vereine nicht. In der U-19-Rangliste liegen wir vor Frankreich und Schweden an achter Stelle, dann gehen uns plötzlich die jungen Spieler verloren." Hinsichtlich der EM 2008 brauche Österreich "die Unterstützung der Liga und der Vereine. Lippenbekenntnisse genügen nicht."

Ex-Austria-Sportdirektor Peter Svetits sagt im FC-Tirol- Prozess aus, Stronach habe seinerzeit den Tirolern geholfen und wäre mit 50 Millionen Schilling als Sponsor eingestiegen, hätte der FC Tirol die Lizenz bekommen. Des Weiteren wären laut Svetits bis zu acht Spieler von der Austria nach Innsbruck übersiedelt, aber weiterhin von der Austria bezahlt worden. Rapid-Präsident Rudolf Edlinger kündigt daraufhin eine Klage beim Ethikkomitee der Bundesliga an und spricht von "massiven Verstößen gegen die Satzungen der Liga. Wenn das Prinzip der Unabhängigkeit nichts zählt, soll es die Liga sagen."

Weg da, weg da

Stronach bietet in einem Brief den Klubchef seinen Rücktritt als Liga-Präsident an, sollte eine Mehrheit seine Tätigkeiten als unvereinbar empfinden. Stronach: "Edlinger hätte als Finanzminister beweisen können, dass er ein Herz für den Fußball hat." Austria-Vize Andreas Rudas zur APA: "Stronach ist der Meinung, dass das Amt des Liga-Präsidenten ein Unabhängiger ausüben muss, der die Anliegen der Klubs versteht."

Bundesliga-Vize und Mattersburg-Obmann Martin Pucher beruft am 15. März in Wien eine Präsidentenkonferenz ein. "Wir werden über alles reden und den größten gemeinsamen Nenner finden", sagt Pucher. Sturm-Präsident Hannes Kartnig: "Ich kämpfe für Stronach!" Die Konferenz geht in Abwesenheit Stronachs damit zu Ende, dass Stronach bleibt. Auch das Ethikkomitee stellt das Verfahren gegen Stronach ein.

Stolzer Polster

Mitte März ist General Manager Toni Polster "stolz auf meine Austria". Sie eliminiert Real Saragossa, steht im UEFA-Cup-Viertelfinale. Stronach lädt Polster, Sportmanager Günter Kronsteiner und Klubmanager Markus Kraetschmer nach Oberwaltersdorf, würdigt die internationalen Erfolge, merkt aber an, "dass wir national nicht so dastehen, wie wir wollen".

Die Austria scheitert im UEFA-Cup-Viertelfinale am FC Parma (1:1 daheim, 0:0 auswärts). "So ist es im Fußball", sagt Stronach, "wir hatten leider kein Glück." Kronsteiner: "Wir waren zweimal das bessere Team." Stronach kündigt an, Kronsteiner über die Saison hinaus an die Austria binden zu wollen. "Günters Vertrag wird verlängert." Für Lars Söndergaard, den Spartentrainer, sieht's nicht so gut aus.

Ein neues Stadion

In Salzburg herrscht nach dem Fußball-Einstieg Red Bulls eitel Wonne, in Wien sorgt die Eishockey-WM für negative Schlagzeilen, die Stadthalle erweist sich als ungeeignet. Bürgermeister Michael Häupl will binnen "des nächsten Jahres entscheiden", ob eine neue Mehrzweckhalle für bis zu 15.000 Zuseher gebaut wird. Dieses Projekt sei auch in Verbindung mit dem von Stronach geplanten Stadion in Rothneusiedl denkbar.

Am 5. Mai stürmen die Austria-Fans wieder einmal das Spielfeld im Horr-Stadion. Die Austria liegt gegen den GAK mit 0:3 zurück, die Anhänger sind auch erbost, weil Polster mit Kronsteiner wickelt und weil der beliebte Söndergaard abgesetzt werden soll. "Macht uns unsere Austria-Familie nicht kaputt", steht auf einem Westtribünen-Transparent. Das Spiel wird abgebrochen. Kronsteiner telefoniert mit Stronach, geht davon aus, weiterhin auf der Bank zu sitzen.

Einen Tag später ist Kronsteiner wieder Sportdirektor, und Söndergaard ist Ex-Trainer der Austria. Polster hat Peter Stöger und Frenkie Schinkels als Betreuerduo installiert. Polster: "Ich habe auf die letzten Leistungen reagieren müssen. Ich denke, dass jetzt Ruhe einkehren kann." Doch der Kompetenzstreit zwischen Polster und Kronsteiner geht weiter, bald will Polster "zu Kronsteiner keinen Kommentar mehr abgeben". (Fritz Neumann, DER STANDARD Printausgabe 3.12.2006)

Lesen Sie am Montag:

Abschied von Kronsteiner, Abschied von Polster, Krankl und auch Stronach, vorläufig

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    Nach einem 2:2 in Saragossa steht die Austria im UEFA-Cup-Viertelfinale.

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