Linz: Leihrad kann nicht Tritt fassen

5. Dezember 2005, 16:01
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Hundert Leihfahrräder wurden diese Woche wieder eingesammelt

"Call a bike" hat in Linz nicht funktioniert, die hundert Leihfahrräder wurden diese Woche wieder eingesammelt. Der Betreiber will aber einen zweiten Versuch mit fixen Standplätzen im Frühjahr nicht ausschließen.

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Linz – "Ich habe mir mehr erwartet", gibt Franz Frauendorfer unumwunden zu. Er hat von einem Tochterunternehmen der Deutschen Bundesbahn die Lizenz erhalten, in Österreich das Leihradsystem "Call a bike" aufzubauen. Die Wahl fiel auf Linz. Diese Woche wurden die hundert Fahrräder nach knapp zwei Monaten wieder eingesammelt und nach Deutschland zurückgeschickt.

Minusgeschäft für den Betreiber

Das System war ein Minusgeschäft für den Betreiber. Den Verlust muss jedoch nicht er tragen, sondern die Stadt Linz und das Land erklärten, bis zu 25.000 Euro zuzuschießen, sagt Grünen-Mobilitätsstadtrat Jürgen Himmelbauer.

zu hohe Miete

Zwei Gründe macht Frauendorfer für das schlechte Resultat des Pilotversuches in Linz verantwortlich. Zu wenig Werbung für dieses neue Angebot sowie eine zu hohe Miete. Mit sieben Cent pro gefahrener Minute startete Mitte September "Call a bike". "Wir sind dann schnell auf drei Cent hinuntergegangen, denn den Kunden war das Leihrad zu teuer." Trotzdem blieb der erhoffte Erfolg aus. Noch kann Frauendorfer keine konkreten Zahlen nennen, die Auswertung sei noch im Gange, aber eines steht für ihn fest. "Das deutsche Modell kann nicht eins zu eins auf Österreich übertragen werden." In München, Frankfurt und Berlin läuft das System seit Jahren. Schnell sei diese Alternative zu Bahn oder Bus von der urbanen Bevölkerung angenommen worden.

Pendler haben eigenes Rad

In dem "vergleichsweise kleinstädtischen Linz" (Frauendorfer) hingegen fasste das öffentliche Rad nicht Tritt. Viele Pendler, die mit dem Zug nach Linz kommen, steigen am Bahnhof auf ein eigenes Rad um. Das Leihrad wurde vor allem für kurze Fahrten in der Altstadt verwendet.

Im Gegensatz etwa zum Wiener Modell mit vorgegebenen Abstellplätzen konnten in Linz die Räder überall "geparkt" werden. Gegen Angabe der Konto- oder Kreditkartennummer erhielt man einen Code, um das Schloss zu entriegeln. Die Arbeitsloseninitiative B7 sammelte die Räder wieder ein und brachte sie an belebte Kreuzungen zurück.

Zweiter Versuch

Sollte es im Frühjahr einen zweiten Versuch geben, überlegt Frauendorfer, von dem "dynamischen System" teilweise abzurücken. An zentralen Orten, wie Hauptlatz oder Promenade, könnte es Abstellflächen geben. Auch Himmelbauer glaubt, dass in Linz ein Leihfahrrad-System funktionieren müsste. Für ihn hat jetzt die Suche nach einem geeigneten Modell begonnen. (Kerstin Scheller, DER STANDARD Printausgabe 3/4.12.2005)

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