Neuer Anlauf für Schwerarbeit

14. Dezember 2005, 11:43
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Haubner legt Entwurf vor – Keine Änderung bei Invalidität - mit Infografik

Wien – Unkenrufe über "Pfusch" und "unadministrierbar", Vorschläge und Gegenvorschläge: Der Chor der Kritiker zur geplanten Schwerarbeiterregelung wird nicht leiser – Sozialministerin Ursula Haubner will ihn zum Verstummen bringen. Sie legt einen Entwurf vor, wie der Gang in die Frühpension nach schwerer Arbeit möglich sein soll.

Prinzipiell findet Christine Mayrhuber, Pensionsexpertin am Wirtschaftsforschungsins^titut, dass ein "reicher Staat wie Österreich Menschen, die 45 Jahre schwer gearbeitet haben, die Pension ermöglichen soll". Bloß: Wie der Nachweis der Schwerarbeit gelingen soll, das ist für Mayrhuber ein Rätsel: "Es gibt keine Aufzeichnungen, wer wann wie schwer gearbeitet hat."

Ausweg Invalidität

Daten gibt es nur über die Invaliditätspension, den derzeitigen "Renner" bei den Frühpensionsformen. Exakt 417.189 Österreicher sind derzeit als "invalid" im Ruhestand. So viele, dass die OECD einmahnt, den Zugang in diese Frühpension zu verschärfen. Haubner will das "auf keinen Fall" – obwohl durch den Run auf die Invaliditätspension das faktische Pensionsantrittsalter mit 57,7 Jahren trotz mehrerer Pensionsformen wieder auf dem Stand des Jahres 2000 ist.

Vor allem zwei Berufsgruppen nutzen, laut Mayrhuber, die Invaliditätspension: Bauern und Arbeiter. Von den Bauern werden zwei Drittel als "invalid" in Pension geschickt, von den Arbeitern die Hälfte. Invaliditätspensionisten dürfen mehr dazuverdienen als Alterspensionisten (siehe Grafik), Beamte dürfen seit dem jüngsten Verfassungsgerichtshof-Urteil auch dazuverdienen.

Allerdings ist die Invaliditätspension besonders niedrig: Statistisch durchschnittlich erhalten invalide Arbeiter 754 Euro Pension im Monat. Außerdem haben Invaliditätspensionisten eine geringere Lebenserwartung als "normale" Pensionisten: Zwischen 1970 und 2000 stieg die Anzahl der Jahre, die "normale" Pensionisten den Ruhestand genießen um sechs Jahre – bei Invaliditätspensionisten um exakt null Jahre.

Ein Ersatz für eine Schwerarbeiterregelung ist die Invaliditätspension für Mayrhuber jedenfalls nicht: "Es gibt auch 40-jährige Invalide. Invalidität stellt nicht auf Alter oder die Arbeitsjahre ab, sondern nur auf den Gesundheitszustand. Das ist etwas anderes." (DER STANDARD, Printausgabe 3./4.12.2005)

Von Eva Linsinger
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