Pucher führt Liga interimistisch

4. Dezember 2005, 18:50
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Mattersburg-Chef über­nimmt provisorisch die Geschäfte von Stronach - Der neue Präsident soll Anfang kommenden Jah­res gewählt werden

Wien - Die österreichische Fußball-Bundesliga geht mit interimistischer Führung in das Jahr 2006. Vize-Präsident Martin Pucher, Obmann des SV Mattersburg, wird vorübergehend die Geschäfte führen, steht dann aber als Vize-Präsident nicht mehr zur Verfügung. Der neue Präsident und Nachfolger von Frank Stronach soll Anfang kommenden Jahres gewählt werden, ein Wahlkomitee wird in den nächsten Wochen die Suche leiten. Darauf einigte sich die Präsidenten-Konferenz der 20 Bundesliga-Klubs am Freitagabend im Technischen Museum in Wien unmittelbar vor der neunten Ordentlichen Hauptversammlung.

Pucher: "Es war klar, dass wenn Stronach geht, auch ich gehe"

Stronach, der am Donnerstag der Vorwoche seinen Rücktritt als Präsident der Bundesliga angekündigt hatte, wurde zum Ehrenpräsident der Bundesliga ernannt und erhält vom Österreichischen Fußball-Bund den selten vergebenen Ehrenring. Pucher wird noch für einen geregelten Übergang zur Verfügung stehen, wird aber mit seinem Präsidenten gehen. "Es war klar, dass wenn Stronach geht, auch ich gehe. Ich stehe für nichts mehr zur Verfügung. Ich habe versucht, Stronach umzustimmen. Dass das nicht gelungen ist, ist eine Niederlage für mich und den österreichischen Fußball", erklärte Pucher.

Stronach: "Wir haben viel erreicht"

"Ich gehe ohne Groll, in keiner Art und Weise", erklärte Stronach. "Wir haben viel erreicht. Vor Jahren haben wir manchmal fast gerauft, jetzt sind wir kultivierter. Wir haben die Statuten geändert und es zusammen gebracht, dass jetzt die Präsidenten entscheiden. Ganz wichtig war, dass die Fernseh-Verträge kollektiv sind. Ich habe gesagt, wenn da einer alleine gehen will, spielt er nicht in der Bundesliga. Wichtig ist auch ein guter Unterbau, wir haben die Red Zac Liga verstärkt. Wir haben da einen Vertrag, dass junge österreichische Spieler spielen müssen. Wir sind auf dem richtigen Weg. Die Show geht weiter", resümierte der Austro-Kanadier nach fast sieben Jahre an der Spitze der Bundesliga.

Im Unterschied zur Austria, die er nicht zuletzt wegen starker Kritik an seiner Person verlassen wird, war das in der Bundesliga nicht der Grund, betont er. "Meine Zeit ist sehr gefragt. Weltweit. Meine Zeit ist sehr kostbar. Ich wäre unabhängig von der Austria als Bundesliga-Präsident zurück getreten", sagte er. Er werde aber der Bundesliga noch zur Verfügung stehen, wenn dies gewünscht werde und es die Zeit ermöglicht.

Dem österreichischen Fußball bleibt er auf mehreren Ebenen erhalten. Stronach gab neuerlich ein Bekenntnis zur Führung der Nachwuchs-Akademie in Hollabrunn ("Mein Herzstück, ich werde dort weiter machen") und den Austria-Amateuren ab und bestätigte sein Interesse, ein Stadion in Rothneusiedl zu bauen, und ließ eine künftige Nähe zur Austria anklingen.

"Man soll nie nie sagen"

"Man soll nie nie sagen. Wien, der österreichische Fußball braucht ein modernes Stadion. Aber es muss ökonomisch Sinn machen. Ohne Stadion gibt es sicher kein Zurück zur Austria. Wenn alle wollen, sehe ich keinen Grund, warum das Stadion nicht gebaut werden soll", bestätigte er Wiens Bürgermeister Michael Häupl, der am Vortag angekündigt hatte, mit Stronach ein Stadion bauen zu wollen. Es soll samt Einkaufszentrum rentabel geführt werden. "Nur Fußball macht keinen Gewinn", so Stronach.

Der Aufsichtsrat der Bundesliga wird nun ein Wahlkomitee ins Leben rufen, das sich der Frage widmet, ob der nächste Präsident aus den Reihen der Klub-Chefs oder von außerhalb kommen soll. Zur Diskussion steht auch eine Rotations-Lösung. Bei einer Präsidenten-Konferenz im Jänner sollen die Weichen gestellt werden, bei einer außerordentliche Generalversammlung Ende Jänner/Anfang Februar und damit vor Beginn der Frühjahrsmeisterschaft am 18. Februar soll dann der Stronach-Nachfolger und ein neuer Aufsichtsrat gekürt werden. "Neuwahlen brauchen einen gewissen Vorlauf. So ist es besser, dass man über so eine Frage nachdenkt", erklärte Rapid-Boss Rudolf Edlinger. (APA)

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    Pucher übernimmt.

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