Befristetes Vergnügen: Neurotrophine verursachen den Liebesrausch

3. Dezember 2005, 20:00
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Nach rund einem Jahr sind die Werte wieder im normalen Bereich

Pavia - Wissenschaftler der italienischen Universität von Pavia haben festgestellt, dass die frühe romantische Phase einer Liebesbeziehung nur etwas mehr als ein Jahr andauert - verantwortlich dafür sind erhöhte Neurotrophin-Werte. Neurotrophine sind körpereigene Signalstoffe, die zielgerichtete Verbindungen zwischen Nervenzellen bewirken. Ein typisches Beispiel für ein Neurotrophin ist der sogenannte "nerve growth factor" (NGF). Am Beginn einer Liebesromanze sorgen Neurotrophine für Euphorie, berichten die Forscher im Wissenschaftsmagazin "Psychoneuroendocrinology".

Das Team um Emanuele Enzo vom Interdepartmental Center for Research in Molecular Medicine (CIRMC) hat 58 Personen untersucht, die erst seit kurzem in Beziehungen waren und mit einer Kontrollgruppe von Personen, die schon länger in Beziehungen waren, und mit Singles verglichen. Die Neurotrophin-Werte der Frischverliebten waren signifikant höher als jene, die schon länger in Zweisamkeit lebten. "Offensichtlich sorgen die Neurotrophine für eine behaviorale und auch psychologische Veränderung der Betroffenen", schreiben die Forscher.

Nachuntersuchung

39 der Frischverliebten wurden ein Jahr später erneut untersucht. Dabei konnten die Forscher keine signifikante Erhöhung der Neurotrophin-Werte mehr feststellen. Offensichtlich pendeln sich diese nach einiger Zeit auf Normalwerte ein. "Das bedeutet nicht, dass diese Menschen nicht mehr verliebt waren, aber es macht deutlich, dass es sich nicht mehr um jenen Zustand der akuten Liebe handelte", so Ko-Autor Pierluigi Politi vom Department of Health Sciences, Universität von Pavia. "Die Beziehung ist offensichtlich stabiler geworden und die romantische Liebe ist damit zu Ende gegangen."

Bisher ist die neurobiologische Erforschung der Liebe nur sehr vage beschrieben. "Es scheint allerdings, dass die biochemischen Mechanismen offensichtlich dafür sorgen, dass es zu Stimmungswechseln kommt, wenn sich die Beziehung sozusagen stabilisiert hat", erklärt der Forscher. Bis die Neurobiologie der Liebe allerdings ganz erforscht ist, werde es noch länger dauern. "Dazu sind weitere Untersuchungen unerlässlich", so Politi.

Dass sich die Neurotrophin-Werte beim Verlieben verändern, hält die Expertin für Neurotrophin-Forschung an der Universität Bochum, Andrea Blöchl, für möglich. "Neurotrophine tragen etwa zur Gedächtnisbildung bei", so die Expertin im pressetext-Interview. "Beim Auf- und auch beim Abbau von neuen Netzen, wie etwa dem Lernen, spielen diese Stoffe eine große Rolle", so Blöchl. (pte)

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