Türkei, Rumänien, Ukraine: Die "Hot Spots" des Ostens

18. Dezember 2005, 19:31
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Kaufkraft-Studie: Hohe Zuwachsraten bei privaten Ausgaben zu erwarten - Hypermärkte prägen Handelsstruktur im Osten

Wien - Während in Ungarn, Tschechien oder der Slowakei die Expansion des Einzelhandels in manchen Städten schon an ihre Grenzen stößt, strecken westliche Expansionsmanager ihre Fühler bereits in Richtung der neuen Hoffnungsmärkte Türkei, Rumänien, Ukraine und auch Bulgarien aus. Diese künftigen "Hot Spots" für westliche Filialisten locken zwar mit hohen Gewinnen, weisen aber auch noch hohe Risiken auf, sagte Michael Oberweger vom Beratungsunternehmen RegioPlan im Gespräch mit der APA.

In den Erweiterungsländern der ersten Runde ist die Kaufkraft bereits ausgeschöpft und der Wettbewerb in manchen Bereichen schon enorm, analysiert RegioPlan in einer neuen Studie zum Kaufkraftvergleich in 21 osteuropäischen Ländern. Die Verkaufsflächendichte ist oft sogar höher als etwa in Wien.

Enormes Potenzial

Die Kaufkraft in den noch "schlafenden Riesen" ist zwar pro Kopf derzeit noch sehr gering, weist aber auf Grund der großen Bevölkerungszahl ein enormes Potenzial auf. So liegen diese Länder beim gesamten Kaufkraftvolumen schon jetzt vor gut entwickelten CEE-Märkten wie Tschechien oder Ungarn, geht aus der Studie hervor. Die Türkei, Rumänien und die Ukraine haben in Summe mehr Einwohner als die 19 anderen Länder, die in der Studie erfasst sind, so Oberweger.

In Österreich standen 2004 rund 116 Mrd. Euro für den privaten Konsum zur Verfügung, in Griechenland waren es 90 Mrd. Euro. Im Vergleich dazu weist ein Land wie die Ukraine, das mit 48 Millionen Einwohnern rund vier Mal so groß ist wie Griechenland, eine absolute Kaufkraft von nur 28 Mrd. Euro auf. Auch die Türkei liegt laut Studie trotz höherer Einwohnerzahl (70 Mio.) bei der absoluten Kaufkraft mit 83 Mrd. Euro hinter Griechenland. Polen hat eine absolute Kaufkraft von 71 Mrd. Euro. In Rumänien liegt die Kaufkraft bei 25 Mrd. Euro.

Hohe Zuwachsraten

Untermauert wird das große Potenzial durch das prognostizierte Wachstum im Einzelhandel in Mittelosteuropa im Vergleich zu Österreich oder Deutschland. Während hierzulande der Handel mit Zuwachsraten im privaten Konsum von maximal 1 bis 2 Prozent rechnen kann, so liegen die Erwartungen für Rumänien, Bulgarien und die Ukraine in den nächsten Jahren bei 6 bis 8 Prozent. In Rumänien wurde schon das dritte Mal in Folge ein zweistelliges Plus verbucht.

Zudem heize die Nachfrage auch die Preise an, so die Studie. Im Handel habe dieser Preisauftrieb mittlerweile zu einem Preisniveau geführt, das vor allem in den an Österreich angrenzenden Ländern zum Teil schon über dem Niveau von Österreich liege. Die Preise im Accessoire-Bereich in Möbelhäusern seien sogar um 10 Prozent höher als hierzulande.

Zunehmender Wohlstand der Städte

Die Handelsstruktur in allen CEE-Ländern unterscheidet sich deutlich von jener westlicher Länder. Meist gibt es einen nur sehr schwachen gewachsenen innerstädtischen Handel. Die Folge davon sei, dass Expansion in den meisten Fällen auf "synthetischen Standorten" stattfindet, also in Einkaufszentren, Fachmarktzentren oder einzelnen Fachmärkten, so Oberweger. Der zunehmende Wohlstand der Städte fließe also fast ausschließlich in die Einkaufszentren. In den CEE-Ländern könne man davon ausgehen, dass die Einkaufs- und Fachmarktzentren in den nächsten Jahren Marktanteile von 50 bis 60 Prozent erreichen. (APA)

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