Nahrungsergänzungen im Blickpunkt

9. Dezember 2005, 16:34
posten

Neu eröffnetes Christian-Doppler-Labor für Rezeptor- Biotechnologie forscht zur Wirkung von Kulturpflanzen

Wien - Die Wirkungen von Nahrungsergänzungsmitteln sind noch weitgehend unerforscht. Wissenschaftliches "Unterfutter" dazu soll jetzt das neu eröffnete Christian-Doppler-Labor für Rezeptor-Biotechnologie an der Universität für Bodenkultur in Wien liefern.

"Es gibt große Qualitätsunterschiede (bei den Produkten, Anm.). Es ist auch eines unserer Anliegen, die Produkte gut zu standardisieren und zu wissen, warum sie wirken", sagte Univ.-Prof. Dr. Alois Jungbauer, der Leiter des Labors, das zu 50 Prozent mit öffentlichen Mitteln und zu 50 Prozent von dem auf solche Nahrungsergänzungsmittel spezialisierten Unternehmen "melbrosin" finanziert wird, am Freitag bei einer Pressekonferenz in Wien.

Konzentration

Die Fachleute werden sich auf die Inhaltsstoffe von Kulturpflanzen wie jenen Phytoöstrogenen konzentrieren, die in Rotklee, Traubensilberkerze und Soja enthalten sind. Seitdem es eine harte Diskussion in der Medizin über die Nebenwirkungen der synthetischen Östrogene zur Behandlung von Wechselbeschwerden gibt, haben Extrakte aus den Pflanzen eine gewisse Bedeutung erlangt. Die in ihnen enthaltenen vielen hundert Substanzen aber sind in ihren Effekten nur zu einem geringen Ausmaß erforscht. Die positiven Wirkungen von "Rotklee, Soja & Co." werden vor allem aus epidemiologischen Untersuchungen abgeleitet, die bewiesen haben, dass in Asien wegen des hohen Soja-Konsums Brust und Dickdarmkrebs seltener vorkommen und Frauen weniger an Wechselbeschwerden leiden.

Doch der direkte Beweis, dass das Schlucken von Phytohormonen beispielsweise Krebs vorbeugen kann, ist nicht erbracht. Vielmehr gibt es auch Bedenken. Univ.-Prof. Dr. Heide Cross, Biochemikerin am Institut für Pathophysiologie der Medizinischen Universität Wien: "Was die Phytoöstrogene betrifft, können noch keine Empfehlungen abgeleitet werden, weil wir noch nicht die Auswirkungen auf andere Krankheiten kennen." Unklar ist zum Beispiel, ob nicht auch diese Östrogen-ähnlichen Substanzen auf das Brustgewebe einen proliferativen, also Krebs-fördernden Effekt haben. Die theoretischen Grundlagen für das Verständnis der offenbar mannigfachen potenziellen Wirkungen der Pflanzen-Inhaltsstoffe sollen nun eben an dem neuen Labor mitgeschaffen werden. (APA)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Die Wirkung u.a. von Soja soll im neuen CD-Labor untersucht werden.

Share if you care.