Studie zur E-Card: Patienten zufrieden, Ärzte weiter skeptisch

2. Dezember 2005, 17:49
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Schörghofer: Von 21,2 Mio. Kundenkontakten 99,7 Prozent online

Wien - Die Österreicher haben sich endgültig vom Krankenschein verabschiedet. Der Großteil der Patienten hat die E-Card akzeptiert und ist damit auch hochzufrieden. Einzig die Bedenken bezüglich der Daten-Vertraulichkeit sind etwas gestiegen. Bei den Ärzten hält hingegen die Skepsis weiter an. Das sind die Ergebnisse des dritten Teils der Begleitstudie zur Einführung des elektronischen Krankenscheinersatzes, die am Freitag vom Hauptverband der Sozialversicherungsträger präsentiert wurde.

Befragt wurden im November 800 Patienten und 202 Ärzte, davon 100 Allgemeinmediziner und 102 Fachärzte. 92 Prozent der Patienten hatten laut der Umfrage beim Arztbesuch keine Probleme mit der E-Card. Im direkten Vergleich mit dem Krankenschein halten 79 Prozent die E-Card für besser, vier Prozent für schlechter und zwölf Prozent für gleich gut. Als größte Vorteile nannten die Befragten in erster Linie, dass man keinen Krankenschein mehr besorgen muss und die E-Card immer dabei hat.

Bedenken gestiegen

Im Vergleich zur letzten Umfrage im September sind allerdings die Bedenken der Patienten bezüglich der Datenabfrage gestiegen. Mit 17 Prozent sind um vier Prozent mehr Menschen dagegen, dass Ärzte und andere Gesundheitseinrichtungen Zugriff auf medizinische Befunde bekommen. Als größte Nachteile der E-Card werden Datenschutz und Kartenverlust angesehen.

Bei den Ärzten will sich die Begeisterung hingegen nicht so richtig einstellen. Zwar steige die Akzeptanz, je länger die Mediziner mit dem System arbeiten, die Skepsis ist aber weiterhin präsent. Am größten sei die Ablehnung in Oberösterreich und Wien, so die Studie. Im Vergleich zu den Patienten (79 Prozent) halten nur 45 Prozent der Ärzte die E-Card für besser als den Krankenschein, 35 Prozent halten sie für schlechter. Ein Drittel klagt über mehr bürokratischen Aufwand und längere Wartezeiten für Patienten.

Dieser Tage wurde der Roll-out abgeschlossen und die letzten Karten zur Post gebracht. In sechs Monaten wurden über acht Millionen E-Cards verschickt und 10.000 Ärzte an das System angeschlossen. "Wir haben das Projekt in der Zeit und im Budget geschafft", so Hauptverbands-Generaldirektor Josef Kandlhofer. Die Investitionen von rund 116 Millionen Euro sollen bei einer zu erwartenden Ersparnis von 40 bis 50 Mio. Euro jährlich in zwei bis drei Jahren abgedeckt werden, rechnete Kandlhofer vor.

Hauptverbands-Präsident Erich Laminger sprach von einem "gewaltigen Modernisierungsschritt" und verwies auf die geplante Erweiterung der E-Card-Funktionen, wie etwa der elektronischen Anmeldung zu Kontrollterminen im Krankenhaus. Das wird derzeit in Freistadt in Oberösterreich getestet.

Der zuständige Verbandsmanager, Volker Schörghofer, betonte, dass der Offline-Betrieb die Arbeit der Ärzte nicht beeinträchtige. Außerdem seien bisher lediglich 0,7 Prozent der absolvierten Systemstunden offline und von 21,2 Mio. Kundenkontakten 99,7 Prozent online gewesen. (APA)

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