15 Jahre Haft für Rathaus-Sprecher

2. Dezember 2005, 19:05
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Hatte Freundin erwürgt, als sie ihn verlassen wollte - Gehirn des Opfers verschwunden

Wien - 15 Jahre Haft wegen Mordes - mit diesem Urteil ist am Freitagabend im Straflandesgericht der Prozess gegen den früheren Rathaus-Sprecher zu Ende gegangen, der am 27. September 2004 in seiner Wohnung in Wien-Brigittenau seine 36 Jahre alte Freundin erwürgt hatte, als ihn diese endgültig verlassen wollte. Das Urteil ist nicht rechtskräftig, Verteidiger Richard Soyer erbat Bedenkzeit, die Staatsanwältin gab vorerst keine Erklärung ab.

Keine Einstimmigkeit

Wie schon im ersten Rechtsgang waren nur fünf der acht Geschworenen davon überzeugt, dass der 39-Jährige die Frau vorsätzlich getötet hatte. Drei Laienrichter verneinten die Frage nach Mord. Hätte sich nur einer mehr ihnen angeschlossen, wären die Eventualfragen nach Totschlag und Körperverletzung mit Todesfolge zum Tragen gekommen. Das hätte einen weit geringeren Strafrahmen zu Folge gehabt.

Mit dem nunmehrigen Urteil befand sich das Schwurgericht (Vorsitz: Natalia Frohner) deutlich unter jenem vom vergangenen April. Damals war der Pressesprecher zu 18 Jahren verurteilt worden. Der Oberste Gerichtshof (OGH) hob in weiterer Folge diese Entscheidung aus formalen Gründen auf und ordnete eine Neudurchführung an.

Die Beweisanträge der Verteidigung wurden abgewiesen. Das Gehirn des Opfers sollte untersucht werden, um einen Reflextod nachzuweisen, der nach Verteidigung die Todesursache gewesen sein soll. Die Vorsitzende Natalia Frohner begründete die Entscheidung damit, dass die Beweismittel "nicht greifbar" seien und der Erkundungsbeweis lediglich auf einer Hypothese beruhe.

Verschwundener Beweis

Nach Angaben von Manfred Hochmeister von der Wiener Dependance für Gerichtsmedizin ist das Asservat mit dem Gehirn verschwunden. Asservate werden in Mordfällen normalerweise bis zum rechtskräftigen Abschluss der Gerichtsverhandlung aufbewahrt.

Der Gerichtsmediziner Johann Missliwetz schloss einen Reflextod allerdings dezidiert aus. Es habe "kein kurzfristiger Todeskampf", sondern ein mindestens dreiminütiger Würge-Akt stattgefunden, sagte der Gutachter. Der 36-Jährigen wären das Zungenbein und Knorpel in Kehlkopfbereich gebrochen worden. Sie habe außerdem massive Staublutungen im Gesicht aufgewiesen, was ebenfalls auf eine massive Gewalteinwirkung hindeute. (APA)

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