Grüne fordern Frauenquoten an Unis

27. Dezember 2005, 13:45
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Nicht-Erfüllung soll finanzielle Konsequenzen haben - Kritik an hierarchischen und männerbündischen UNI-Strukturen

Wien - Für Frauenquoten an den Universitäten sprechen sich die Grünen aus. Frauenförderung müsse ein integraler Bestandteil der Leistungsvereinbarungen zwischen Bund und Unis werden, die Nicht-Erfüllung von Quoten solle finanzielle Konsequenzen bei der Universitätsfinanzierung nach sich ziehen, forderten Frauensprecherin Brigid Weinzinger und Wissenschaftssprecher Kurt Grünewald bei einer Pressekonferenz am Freitag in Wien.

Die Situation an den Unis ist seit Jahren bekannt: Während der Frauenanteil bei StudentInnen und AbsolventInnen über 50 Prozent liegt und damit der Quote an der Gesamtbevölkerung entspricht, sieht es auf höherer Ebene ganz anders aus. Laut dem jüngsten Universitätsbericht sind nur 30 Prozent der UniversitätsassistentInnen bzw. des sonstigen wissenschaftlichen und künstlerischen Personals weiblich, die in dieser Gruppe enthaltenen DozentInnen kommen gesondert auf einen Frauenanteil von 17 Prozent. Von den ordentlichen ProfessorInnen sind 14 Prozent weiblich. Bei den Professorinnen ist dabei ein Aufwärtstrend zu erkennen, bei den Dozentinnen ein leichter Zuwachs, bei den Assistentinnen dagegen eine Stagnation.

Genehmigungsquote

Ganz dünn sieht es ganz oben aus: An der Spitze der 21 Universitäten stand noch nie eine Frau. Auch bei der Genehmigungsquote von Forschungsprojekten haben Männer die Nase vorn: 41 Prozent der von Frauen eingereichten Anträge wurden positiv beschieden, während dies bei 52 Prozent der von Männer eingereichten Projekte der Fall war. Arbeitsrechtlich sieht es ebenfalls trist aus: Frauen erhalten im Uni-Bereich überdurchschnittlich häufig nur befristete Verträge. Folgerung Weinzingers: Gleichbehandlung sei bei weitem nicht erreicht.

Kritik an hierarchischen Strukturen

Grünewald ortete die Gründe dafür in der von Männern seit Jahrhunderten bestimmten hierarchischen Struktur der Unis, die von Männerbünden wie Cartellverband (CV) und Bund Sozialdemokratischer Akademiker (BSA) dominiert würden. Da sei es für Frauen "schwierig, sich auf normalem demokratischem Weg zu behaupten". Verschlimmert worden sei die Situation durch das neue Universitätsgesetz (UG), das den ProfessorInnen die absolute Mehrheit in allen Gremien garantiere und den Mittelbau, wo mehr Frauen vertreten waren, entmachtet habe. Auch die neuen Uni-Räte würden primär aus stark konservativen Kreisen kommen. Selbst die von der Regierung entsendeten Frauen entstammten "hauptsächlich aus dem Schüssel-Wiederwahlkomitee und denken nicht unbedingt progressiv", so Grünewald.

Chance durch Pensionierungen

Chancen auf Besserung bietet laut Grünen die Tatsache, dass in den kommenden Jahren die Hälfte der ProfessorInnen in Pension geht. Dafür müssten aber verbindliche Frauenquoten her: Alles, was im Bereich zwischen 40 und 60 Prozent liege, sei mittelfristig ein Ziel, meinte Weinzinger. Grünewald würde schon eine Verdoppelung des bisherigen Anteils als Fortschritt sehen. Weitere Forderungen der Grünen: Bessere Entlohnung der externen Lehre, die Einrichtung von Betriebskindergärten an den Unis sowie die verpflichtende Veröffentlichung der Evaluation frauenfördernder Maßnahmen. (APA)

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