Internet-Rufmord bei Wikipedia

13. Dezember 2005, 13:39
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Biographie eines US-Journalisten wurde in bösartiger Absicht verfälscht - Kritik an der freien Enzyklopädie

Nachdem die freie Online-Enzyklopädie Wikipedia in ihrer deutschsprachigen Version mit ernsten Problemen zu kämpfen hatte (Der WebStandard berichtete), wurde nun ein weiterer Fall von Missbrauch bekannt.

Rufmord

Diesmal handelt es sich aber um keine Urheberrechtsprobleme, vielmehr dreht es sich um eine Art von Rufmord. Den Stein ins Rollen gebracht hat der renommierte US-Journalist und Gründungsmitglied der USA Today und Herausgeber einer Tageszeitung John Seigenthaler.

Der 78 Jährige fand seine Biographie bei Wikipedia, diese war allerdings in offenbar böswilliger Absicht gefälscht. So musste Seigenthaler lesen, dass er an der Ermordung Kennedys beteiligt war und danach 13 Jahre in der Sowjetunion verbrachte.

Ermordung Kennedys

Die falsche Biographie war zwischen Mai und September online und wurde auch von Reference.com and Answers.com übernommen.

Fehlerhaftes und unverantwortungsvolles Tool

In einem Editorial in seiner Stammzeitung USA Today lässt Seigenthaler nun seinem Ärger freien Lauf. Wikipedia sei ihm zu folge ein fehlerhaftes und verantwortungsloses Tool. Aber vor allem die Tatsache, dass der Verfasser der falschen Biographie trotz zahlreicher Versuche nicht zu fassen ist, kritisiert Seigenthaler. Er habe keinerlei Möglichkeit sich gegen diese Art von Rufmord zur Wehr zu setzen.

Fehler und auch böswillige Unterstellungen sollten laut dem Prinzip der freien Enzyklopädie ja von den zahlreichen Usern in Eigenregie ausgebessert werden. Bei seiner eigenen Biographie kam dieses Prinzip aber offenbar nicht zu tragen, in den zahlreichen Monaten wurde lediglich ein Rechtschreibfehler ausgebessert, kritisiert Seigenthaler, der von einem "Internet-Meuchelmord" spricht.

Neuer Artikel

Mittlerweile ist ein neuer Wikipedia-Eintrag Online, der auch die beschriebene Problematik thematisiert. Diesmal ist das Engagement der User groß, in nur wenigen Tagen gab es bereits hunderte Überarbeitungen des Artikels. (red)

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