"Vienna Conclusions" sorgen für hitzige Debatte

13. Dezember 2005, 13:38
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Microsoft hatte in letzter Minute Änderungen durchgesetzt - Gegensätzliche Standpunkte scheinen unüberwindbar

Medienberichte über die Vienna Conclusions am UN-Weltgipfel in Tunis haben die kontroversielle Diskussion der beteiligten Parteien noch mehr angeheizt. Im Gespräch mit pressetext nahm Thomas Lutz, Unternehmenssprecher von Microsoft Österreich, zu den Vienna Conclusions Stellung.

"Offen"

"Der seitens Microsoft veröffentlichte Kommentar entspricht der Position des Unternehmens. Über den Feedback-Prozess des dafür vorgesehenen Blogs wurde er in offener und transparenter Weise übermittelt", so Lutz. Der Antrag auf Änderung eines Conclusion-Punktes sei deswegen entstanden, da dieser sich sehr einseitig auf Freie Software bezogen habe. In seinem unterbreiteten Vorschlag habe es dazu keinerlei Hinweis auf eine Präferenz einer bestimmten Entwicklungssoftware gegeben, sagte der Unternehmenssprecher weiter. "Und auch wenn Herr Greve das Gegenteil behauptet, lässt sich durch die Mail Logs des Veranstalters eindeutig nachweisen, dass die Information über den Blog an alle Teilnehmer der Konferenz gesendet wurde.

Fragwürdiges

Nach der Ansicht von Georg Greve, Präsident der Free Software Foundation Europe (FSFE) ist die Wahl eines Blogs für Diskussionen gegenüber einer öffentlichen Mailingliste mit offenem Archiv eine fragwürdige Wahl des Werkzeugs. "Obwohl ich persönlich grundsätzlich alle eingehenden wie ausgehenden Mails archiviere, konnte ich diese Mail bei mir jedoch nicht im Archiv entdecken. Auch von den anderen Teilnehmern des Workshops kam keinerlei Anmerkung dazu, bereits vorher vom Blog gewusst zu haben", meinte Greve. Doch gehe es ihm vordergründig gar nicht um die fehlgeschlagene Information. Es bestehe eine grundsätzliche Problematik, die damit zu tun habe, dass den Änderungswünschen der PR-Abteilung von Microsoft voll entsprochen wurde. Und das ohne Rücksprache mit den Panelmitgliedern, so Greve.

Transparenzfragen

Auch Peter Aurelius Bruck betonte in seiner Stellungnahme gegenüber pressetext, dass der gesamte Entstehungsprozess der Vienna Conclusions unter vollkommener Transparenz stattgefunden habe. "Es war immer die Rede davon, dass eine Endredaktion der Vienna Conclusions durchgeführt wird. Und zwar auf Basis des Inputs der Beteiligten und keineswegs nach irgendwelchen Ideologien", so Bruck weiter. Die Veranstaltung sei für Vertreter der unterschiedlichsten Perspektiven eine freie Bühne zur Diskussion auf hohem internationalen Niveau gewesen. Der offene Living-Document-Prozess, der nach klar kommunizierten Regeln gestaltet gewesen sei, werde nun als manipulativ verunglimpft.

Euphemistisch

"Es kann ja durchaus sein, dass eine Mail versendet wurde, wir wollen niemanden der Lüge verdächtigen", so Ralf Bendrath, Chefredakteur von http://www.worldsummit2005.de und Koordinator der internationalen WSIS-Arbeitsgruppe "Privacy and Security". Allerdings sei es im Zeitalter des Spam nicht als transparenter Prozess zu bezeichnen, eine einzige, unsignierte und unbeantwortete E-Mail über die Existenz eines zu diesem Zeitpunkt leeren Blogs zu versenden. "Dass zwei einseitige Beiträge von Interessenvertretern eine lebendige Diskussion im Sinne eines Living-Document darstellen, halte ich für ausufernden Euphemismus", stellt Bendrath klar. (pte)

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