Ältere Migranten wünschen sich mehr muttersprachliche Pflege in Wien

23. Dezember 2005, 13:10
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Zuwanderer haben laut Befragung zu wenig Information über Sozialdienste

Wien - Die fortschreitende Überalterung der Gesellschaft macht auch vor Migranten in Wien nicht Halt. In einer aktuellen Befragung von "asylkoordination Österreich" unter 27 Betroffenen und sechs Mitgliedern von Trägerorganisationen wurden nun Wünsche und Vorstellungen der älteren Zuwanderer erhoben sowie die Haltung der Hilfsorganisationen gegenüber dieser speziellen Gruppe. Die Ergebnisse wurden am Freitag bei einer Pressekonferenz in Wien präsentiert.

Mehr muttersprachliche Betreuung gewünscht

In den Diskussionsrunden mit den Wiener Migranten tauchte vermehrt der Wunsch nach muttersprachlicher Betreuung auf - vor allem bei mobilen Diensten. Die Befragten hätten u.a. Angst, von deutschsprachigen Pflegern falsch verstanden zu werden, erklärte die Studienautorin von "asylkoordination Österreich", Marion Kremla. Als mögliche Lösung stellen sich die Befragten etwa einen Dolmetscher-Pool vor, aus dem sie Übersetzter telefonisch anfordern können.

Die 16 befragten Frauen und elf Männer stammen aus der Türkei, Kurdistan, Ex-Jugoslawien, dem Iran und Chile. Rund die Hälfte davon befindet sich bereits in krankheitsbedingter Frühpension. Viele wollen in Österreich bleiben, weil ihre Familien hier wohnen und sie sich eine Versorgung in der Heimat nicht leisten können, sagte die Projektleiterin.

Die meisten wüssten gar nicht, welche Betreuungsleistungen in Wien angeboten werden. "Sie kennen Altersheime - alles andere erfahren sie vom Hörensagen", erklärte die Sozialwissenschafterin. "Seniorenclubs" als Einrichtung, wo sich ältere Migranten treffen, sollen gefördert werden, wünschen sich die Befragten. Geht es um Wohnheime, bevorzugen sie laut der Studie solche, wo sie "unter sich" sind. Die Integration habe bisher nicht funktioniert, warum dann im hohen Alter, zeigen sich einige skeptisch.

Überlastung

Auch die Trägerorganisationen sind vorerst zurückhaltend: Hilfsdienste seien ohnehin überlastet. Von der Stadt Wien gäbe es keinen eindeutigen Auftrag, Angebote für Migranten einzurichten. "Das ist das Grunddilemma. Die Stadtregierung müsste als Auftraggeber Impulse setzten und die Hilfsorganisationen müssten Angebote schaffen. Es besteht aber auch eine gewisse Holschuld auf Seite der Zuwanderer", meinte Kremla.

Trägerorganisationen hätten festgestellt, dass man auch auf unterschiedliche religiöse Bedürfnisse dieser Gruppe älterer Menschen eingehen müsse. Generell sollen für sie - genauso wie für alle Österreicher - individuelle Dienste angeboten werden, wünschte sich "asylkoordination Österreich". (APA)

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