Ein Jahr nach PISA: Studie bestimmte Bildungspolitik

21. März 2006, 12:03
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Streit um Ranking verdeckte andere Resultate - Im OECD-Vergleich Absolut-Ergebnis Mittelmaß für Österreichs SchülerInnen - mit Infografik

Kaum ein anderes Studienergebnis hat in den vergangenen Jahren für so viel Aufregung gesorgt wie die Veröffentlichung der zweiten Bildungsvergleichsstudie PISA (Programme for International Student Assessment) am 6. Dezember 2004 - und für so mannigfache Interpretationen. Seither wird so ziemlich jede bildungspolitische Forderung oder Maßnahme mit PISA gerechtfertigt oder begründet. Im Anschluss die wichtigsten Ergebnisse in Kurzform.

Ranking

Betrachtet man lediglich das Ranking der 29 OECD-Staaten, dann ist die Sache klar: Die Leistungen der 15- bis 16-jährigen österreichischen Schüler sackten in den drei Kompetenz-Feldern Mathematik, Lesen und Naturwissenschaften vom oberen Mittelfeld bei der ersten PISA-Studie 2000 auf Ränge im Mittelfeld und im unteren Mittelfeld ab. Sie lagen damit in Mathematik und (dem 2003 erstmals getesteten Bereich) Problemlösen knapp über dem OECD-Schnitt, in Lesen und Naturwissenschaften darunter. Am schmerzhaftesten war der österreichische Absturz bei der Naturwissenschaft: Hier lag man 2000 noch auf Rang acht, diesmal reichte es nur noch für Platz 20. In Sachen Mathematik fielen die österreichischen Schüler von Rang elf auf 15 zurück, beim Lesen belegten sie nur noch den 19. Platz (2000: 10), und beim neuen "Problemlösen" stieg Österreich auf Rang 15 ein.

Vorzeigeland: Finnland

Die Finnen belegten in drei von vier Kategorien den besten Platz unter den OECD-Ländern. Lediglich im neuen Testfeld Problemlösen mussten sie sich knapp Südkorea geschlagen geben, das auch in den anderen Bereichen ausgezeichnete Plätze erzielte.

Diskussion um Schwankungsbreite

Das Ranking spiegelt allerdings nur die wahrscheinlichen Rangplätze wieder. Schwankungsbreiten werden im PISA-Bericht zwar explizit ausgewiesen, gingen aber in der Diskussion unter - was später auch von Statistikern und dem Bildungsministerium kritisiert wurde. Die Werte Österreichs würden beim Lesen und der Mathematik zwar leicht schlechter liegen, aber innerhalb der statistischen Schwankungsbreite, so die Grundaussagen von Experten der Statistik Austria. Sehr wohl einen Absturz habe es hingegen bei den Naturwissenschaften gegeben.

Österreich im Mittelfeld

Lässt man diese Diskussion über das Ausmaß der Verschlechterungen außer Betracht, ist aber trotzdem eines klar: Selbst unter Berücksichtigung der statistischen Unsicherheiten liegt Österreich gerade im Mittelfeld der OECD-Staaten und wird von den Top-Ländern wie Finnland, Südkorea, Kanada, den Niederlanden, Australien oder Neuseeland klar distanziert. Im Lesen und den Naturwissenschaften ist die Distanz zur Spitze so groß wie nach unten hin der Vorsprung auf die Türkei oder Uruguay.

Untergegangene Ergebnisse

Der Streit ums Ranking verdeckte auch andere Ergebnisse, die verhältnismäßig selten diskutiert wurden. So gehört ein Fünftel der österreichischen 15- bis 16-jährigen Schüler zur "Risikogruppe" der schlechten Leser und Mathematiker. Laut der Untersuchung muss "bezweifelt werden, dass diese Schüler/innen zum Verstehen alltäglicher, einfacher Texte ausreichend befähigt sind" bzw. in Mathematik "nur die einfachsten Aufgaben des PISA-Tests lösen konnten" bzw. selbst diese nicht zum überwiegenden Teil. Im internationalen Vergleich ist das innerhalb der OECD-Staaten ein relativ hoher Anteil. In Österreich gibt es außerdem einen vergleichsweise starken Zusammenhang zwischen Wohlstand und Bildungsstand der Eltern sowie dem Leistungsniveau der Schüler. (APA)

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