Offener Brief an DDr. Küng

2. Dezember 2005, 18:13
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Wissenschaftliche Ausführungen von Bischof Küng zur Wirkungsweise der "Pille danach" nicht korrekt

Sehr geehrter Herr Diözesanbischof DDr.Küng!

als Mitarbeiterin des Salzburger Frauengesundheitszentrums ISIS habe ich heute Morgen mit großer Aufmerksamkeit Ihre Stellungnahme in dieStandard.at zur "Pille danach" gelesen, insbesondere, weil sie mit der erfreulichen Überschrift begann: "Küngs Sorge um Frauengesundheit".

Leider musste ich gleich im nächsten Absatz feststellen, dass sich in Ihrer persönlichen Bitte an die Frauenministerin, sich nicht für die Rezeptfreiheit der "Pille danach" einzusetzen und in den darauffolgenden bedauerlicherweise falschen Aussagen über die Wirksamkeit der "Pille danach", eine ganz und gar nicht frauengesundheitsfördernde und korrekte wissenschaftliche Haltung offenbart!

Sich für Frauengesundheit zu engagieren setzt voraus, weibliche Lebenswelten und Bedürfnisse zu erkennen, zu respektieren und diese zu fördern und zu unterstützen. Die Selbstbestimmung über die eigene Fruchtbarkeit ist ein sehr zentrales Bedürfnis im Leben einer Frau! So muss eine "Verhütungspanne" nicht zwangsläufig zum Stress einer ungewollten Schwangerschaft führen, wenn rechtzeitig (am besten innerhalb von 24 Stunden) die "Pille danach" eingenommen wird und mit der Einnahme ein bevorstehender Eisprung und somit eine mögliche Befruchtung verhindert werden kann!

Es ist Aufgabe eines frauengerechten Gesundheitssystems einen leichten Zugang zur "Pille danach", besonders während der Nacht und an Wochenenden, sicherzustellen. In diesem Zusammenhang ist zu erwähnen, dass das aktuell auf dem Markt befindliche Präparat (Vikela) kaum Nebenwirkungen hat und sehr gut verträglich ist. Da vor der Einnahme weder eine ärztliche Untersuchung, noch ein ärztliches Gespräch notwendig sind, haben inzwischen neun westeuropäische Länder die Abgabe der "Pille danach" rezeptfrei gemacht, zum Teil bereits seit einigen Jahren. Und auch die kostenlose Abgabe ist in anderen Ländern eine Selbstverständlichkeit, um ungewollte Schwangerschaften zu verhindern.

Als Arzt sollten Sie darüber informiert sein, dass die "Pille danach" ausschließlich einen Einfluss auf die Follikelreifung hat und im besten Fall eine bevorstehende Ovulation und somit eine mögliche Befruchtung verhindert. Die "Pille danach" ist kein Abortivum (!!) und hat auch keinen nachweisbaren Einfluss auf eine bereits bestehende Schwangerschaft. Öffentliche Wortmeldungen darüber, dass die Einnahme des Präparates Levonorgestrel eine "Abtreibung im frühesten Stadium" sei, sind wissenschaftlich falsch und in der Diskussion höchst tendenziös und kontraproduktiv.

Ich ersuche Sie in der künftigen Diskussion um korrekte Aussagen im Sinne einer Haltung, die die Gesundheit von Frauen tatsächlich fördert und unterstützt!

Mit freundlichen Grüßen aus dem Salzburger Frauengesundheitszentrum ISIS,

Mag. Petra Schweiger
(Klinische Psychologin und Gesundheitspsychologin)

Mag. Petra Schweiger
Klinische Psychologin und Gesundheitspsychologin
Frauengesundheits-
zentrum ISIS 0662/44 22 55
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