1000. Gefangener in USA hingerichtet

6. Dezember 2005, 16:05
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57-Jähriger in North Carolina mit Giftspritze getötet - Wegen Doppelmordes verurteilt

Washington - Drei Jahrzehnte nach Wiedereinführung der Todesstrafe ist in den USA der 1000. Häftling hingerichtet worden. Nach zwei abgelehnten Gnadengesuchen starb Kenneth Lee Boyd um 2.15 Uhr (8.15 Uhr MEZ) im Zentralgefängnis von Raleigh im Bundesstaat North Carolina durch eine Giftspritze. Der 57-jährige wurde 1994 wegen Mordes verurteilt, nachdem er seine getrennt lebende Frau und seinen Schwiegervater vor den Augen der beiden Söhne erschossen hatte.

Der Anwalt des Vietnam-Kriegsveteranen, Thomas Maher, nannte die 1000. Exekution einen "Meilenstein der Schande". Boyd wolle nicht als Nummer in Erinnerung bleiben, sondern als Mensch, und sei deshalb verärgert gewesen, dass sein Name mit solch einem "makabren Ereignis" für immer verbunden bleibe, sagte Maher nach Angaben der lokalen Zeitung "News&Observer". In den letzten Stunden vor seiner Hinrichtung habe Boyd nach vielen Jahren erstmals wieder mit Familienangehörigen gesprochen. Sein ältester Sohn - dieser stammt aus einer anderen Ehe - sowie dessen Frau und Enkelkinder hätten Boyd im Gefängnis besucht.

Nach den Worten des Anwalts hat der 57-Jährige bis zuletzt gehofft, dass die Gerichte die Exekution stoppen würden. Aber sowohl das Oberste Gericht der USA als auch der demokratische Gouverneur von North Carolina, Mike Easley, lehnten am Donnerstag eine Begnadigung ab. Easley sagte, es gebe keine zwingenden Gründe, das einstimmige Urteil der Jury und der Gerichte zu überstimmen.

Gegner der Todesstrafe, darunter Amnesty International, hatten seit Tagen mit Mahnwachen und anderen Aktionen auf das "Hinrichtungsjubiläum" aufmerksam gemacht und die Praxis in den USA als "barbarisch" angeprangert. Auch in der Nacht hatten mehr als 100 Demonstranten vor dem Gefängnis gegen die Todesstrafe demonstriert und die Namen aller zuvor hingerichteten 999 Häftlinge verlesen.

Boyds Exekution war die 56. in diesem Jahr. Bereits am Freitagabend (Ortszeit) war in South Carolina die Hinrichtung des 34-jährigen Shawn Paul Humphries geplant, der wegen Mordes an einem Ladenbesitzer verurteilt wurde.

Der Oberste Gerichtshof der USA hatte die bestehenden Todesstrafengesetze in den Bundesstaaten am 29. Juni 1972 für nicht erklärt. Begründet wurde dies hauptsächlich damit, dass die Todesstrafe häufig willkürlich verhängt werde. Nach Überarbeitung der Gesetze wurde die Todesstrafe 1976 wieder in Kraft gesetzt. Als erster Häftling starb im Jänner 1977 Gary Gilmore in Utah durch ein Erschießungskommando. (APA/dpa)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Kenneth Lee Boyd vor seiner Hinrichtung

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