Was ein Segen ist und was nicht

1. Dezember 2005, 21:14
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Stronach drohte schon 2004 mit seinem Rück­zug - Er ersetzte Löw durch Kronsteiner und Söndergaard, holte Baric und Polster zur Austria

Wien - Kopfweh, Neujahrskonzert, Skispringen in Garmisch, Austria-Trainingslager in Marbella, eine Stronach-Idee. 2004 beginnt kaum überraschend. Stronachs Vorjahrsvision vom Jungnationalteam ("JUNO") kommt jetzt unter dem Titel "Österreich Team" und wenig später als "Tiger Team" daher, Stronach will Talente aller Vereine gegen die Bundesligisten spielen lassen. Bundesliga-Vorstand Peter Westenthaler kann sich laut Austria Presse Agentur (APA) "sogar vorstellen, dass zwischen dem Klub, der gegen den Nachwuchs am besten abschneidet, und dem in der Endtabelle entsprechend platzierten Verein ein UEFA-Cup-Startplatz ausgespielt wird".

Auf einer Bundesliga-Präsidentenkonferenz übt Stronach Druck aus, er droht sogar mit Rücktritt. Rapid-Präsident Rudolf Edlinger und Mattersburg-Obmann Martin Pucher entschärfen die Situation, die Diskussion bleibt aber ergebnislos, man einigt sich auf eine weitere Konferenz im April in Oberwaltersdorf. Vorweg: Dann und dort wird der Plan endgültig ad acta gelegt.

Die Austria hat an erster Stelle überwintert, verliert aber gegen Pasching und weiter an Boden. Sportdirektor Günter Kronsteiner und Trainer Joachim Löw führen am 23. März noch ein stundenlanges Gespräch, am Tag darauf kehrt Stronach aus Kanada zurück, und schon ist Kronsteiner Trainer. Nebenbei sucht er einen Mann "für die tägliche Arbeit". Er findet Lars Söndergaard, den er aus Salzburger Zeiten gut kennt.

Der Falter berichtet, dass Stronach sein Vermögen (950 Millionen bis 1,3 Milliarden Euro) im Schweizer Steuerparadies Zug versteuert. Nicht in Zug, sondern in Ebreichsdorf wird am vierten April trotz offener Naturschutzverfahren Europas modernster Pferdesportpark eröffnet, Bischof Kurt Krenn spendet Stronachs Magna Racino seinen Segen. Erwin Pröll, Karl-Heinz Grasser und DJ Ötzi stellen sich ein. Stronach: "Der vierte April soll ein nationaler Feiertag werden."

Gratuliere, GAK!

Der GAK und Ex-Austria-Trainer Walter Schachner werden Meister und holen gegen die Austria auch den Cup. Stronach gratuliert, bestätigt die Austria-Trainer, sagt aber: "Es fehlt an Spielern mit Herz und Seele."

Die Liga vergibt die TV-Rechte an den Pay-TV-Sender Premiere und ATV+, die 42 Millionen Euro für die nächsten drei Jahre geboten haben. Liga-Vorstand Westenthaler, der für ein Festhalten am ORF plädierte, wird von den Klubchefs am Ende mit 19:1-Stimmen und Ausnahme Kartnigs überstimmt. "Meine Mission ist erfüllt", sagt Westenthaler und übersiedelt im August ins Magna-Management. Liga-Vorstand wird Georg Pangl, zuletzt UEFA-Eventmanager.

Stronach gibt die Verpflichtung von Exteamchef Otto Baric als Austria-Berater ("Visitator") bekannt. Die Fans protestieren mit "Magna raus"-Rufen, einige denken an eine Sammelklage zwecks Rückerstattung des Abopreises. Fan-Obmann Thomas Fellinger: "Wir haben Austria gekauft und Westenthaler und Baric bekommen."

Baric hat Erfolg. Austria siegt in Bregenz 9:0, geht in Führung - und plaudert, während das ÖFB-Team unter Hans Krankl nach einem 2:2 gegen England mit 1:3 daheim gegen Polen und 3:3 in Nordirland die WM-Quali 2006 verspielt, auch international mit. Sie erreicht und übersteht die UEFA-Cup-Gruppenphase. Baric hat laut Austria-Vize Andreas Rudas seinen Job getan und dankt ab.

Einen Punkt hinter Leader Rapid zieht die Austria in den Winter. Stronach holt Frenkie Schinkels, Trainer des Ostligisten SKN St. Pölten, Premiere-Analyst und Ex-Austrianer, als Scout. Toni Polster, zuletzt im Gladbach-Marketing, wird für drei Jahre General Manager. Bei der Weihnachtsfeier im Rathaus bekennen sich Bürgermeister Michael Häupl und Stronach gemeinsam zum Bau eines neuen Stadions für die Austria. "Wir sorgen dafür", sagt Häupl, "dass Wien eine große und wundervolle Sportstätte erhält." (DER STANDARD, Printausgabe, Freitag, 2. Dezember 2005, Fritz Neumann)

Lesen Sie am Samstag:
2005: Das große Finale

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    26. 8. 2004, UEFA-Cup-Quali: 3:0 gegen Mariupol, Austria-Fanproteste gegen Stronachs Baric-Engagement.

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