USA: 1000. Hinrichtung seit Wiedereinführung der Todesstrafe

11. Dezember 2005, 22:49
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Auch für Friedens-Nobelpreis-Nominierten "Tookie" Begnadigung fast aussichtslos

Washington - Begleitet von Protesten ist Freitag früh in den USA der 1000. Häftling seit Wiedereinführung der Todesstrafe im Jahr 1976 hingerichtet worden. Der Doppelmörder Kenneth Lee Boyd starb kurz nach 2.00 Uhr im Zentralgefängnis von Raleigh im Bundesstaat North Carolina durch eine Giftspritze. Der Gouverneur von North Carolina, Mike Easley, hatte ebenso wie zuvor der Oberste Gerichtshof eine Begnadigung in letzter Minute abgelehnt.

Keine zweite Chance

Boyd habe gelassen auf Easleys Entscheidung reagiert, sagte sein Anwalt Thomas Maher. Die letzten Stunden vor dem geplanten Hinrichtungstermin verbrachte der 57-Jährige mit Familienmitgliedern und Freunden. "Er hat einen Fehler gemacht, und das kostet ihn jetzt sein Leben", sagte einer von Boyds vier Söhnen, der 35 Jahre alte Kenneth Smith. "Viele Menschen bekommene eine zweite Chance. Ich glaube, er hätte eine zweite Chance verdient."

Boyd hatte gestanden, vor 17 Jahren im betrunkenen Zustand aus Eifersucht seine von ihm getrennt lebende Frau und deren Vater erschossen zu haben. Zwei von Boyds Kinder erlebten das Verbrechen 1988 mit. Seine Anwälte machten geltend, dass die Kriegserlebnisse ihres Mandaten in Vietnam eine psychische Instabilität ausgelöst hätten.

Die Zeitung "Eden Daily News" zitierte Boyd mit den Worten, er wolle nicht als 1000. hingerichteter Häftling in die Geschichte eingehen. Das würde davon ablenken, dass er seine Tat zutiefst bereue, sagte der Gefangene.

Protest vor dem Gefängnis

Gegner der Todesstrafe, darunter Amnesty International, hatten seit Tagen mit Mahnwachen und anderen Aktionen auf das "Hinrichtungsjubiläum" aufmerksam gemacht und die Praxis in den USA als "barbarisch" angeprangert. In Raleigh demonstrierten am Donnerstagabend rund 120 Menschen gegen die Hinrichtung. Nach einem ökumenischen Gottesdienst marschierten sie mit Kerzen und Protestplakaten zu dem Gefängnis, in dem Boyd später getötet wurde. 16 Demonstranten veranstalten in der Zufahrt eine Sitzblockade. Sie wurden von der Polizei festgenommen.

Nur Schwarzenegger kann "Tookie" Williams begnadigen

Auch für den berühmtesten Todeshäftling der USA, den Gang-Gründer und Kinderbuch-Autoren Stanley "Tookie" Williams, rückt die Hinrichtungskammer näher. Das Oberste Gericht in Kalifornien lehnte eine Aussetzung der geplanten Exekution am 13. Dezember ab.

Williams, der 1971 in Los Angeles die berüchtigte Straßengang "Crips" gegründet hatte und wegen dreifachen Mordes verurteilt wurde, hofft weiter auf eine Begnadigung durch Gouverneur Arnold Schwarzenegger, dem ein entsprechendes Ersuchen vorliegt. Schwarzenegger will sich am 9. Dezember mit den Anwälten des Gefangenen und Vertretern der Staatsanwaltschaft treffen.

Nominiert für Friedensnobelpreis

Für Williams, der seine Unschuld beteuert, haben sich international zahlreiche Organisationen und Persönlichkeiten eingesetzt. Seit er von seiner Zelle aus eine Kampagne gegen Gewaltanwendung startete und in einer Serie von Kinderbüchern den Nachwuchs vor einem Leben auf der schiefen Bahn warnte, wurde er fünf Mal für den Friedens- und vier Mal für den Literaturnobelpreis nominiert.

Hinrichtungen weltweit

Nach Angaben der Menschenrechtsorganisation Amnesty International haben im vergangenen Jahr weltweit 25 Staaten Todesurteile vollstreckt. Fast alle Hinrichtungen (97 Prozent) fanden in nur vier Ländern statt: in China, dem Iran, Vietnam und den Vereinigten Staaten. (APA/dpa)

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    Seit Tagen demonstrierten zahlreiche Menschen vor dem Gefängnis von Raleigh im Bundesstaat North Carolina

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    Für Kenneth Lee Boyd gab es keine Begnadigung

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    Stanley 'Tookie' Williams könnte von Arnold Schwarzenegger begnadigt werden

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