Seilbahnunglück von Sölden: Neuer Zeuge belastet Piloten

2. Dezember 2005, 18:30
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Betonkübel soll bei Aufprall am Hubschrauber gewesen sein - Ministerium widerspricht

Wien - Das Infrastrukturministerium hat dem Bericht eines Zeugen zum Seilbahnunglück von Sölden widersprochen, der dem Piloten die Schuld am Unfall zugewiesen hat: "Unsere Informationen sind andere", meinte ein Sprecher des Ministeriums. Ebenso setzte die Innsbrucker Staatsanwaltschaft dem Zeugen entgegen, es sei " praktisch auszuschließen, dass der Betonkübel von der Seite gekommen ist." Das sagte der Leitende Staatsanwalt Rudolf Koll am Freitagnachmittag zur APA.

Die Schäden am Kübel, an der Gondel und am Seil ließen den Schluss zu, dass der Kübel nur mit voller Wucht aus größerer Höhe auf das Seil gefallen sein könne, verwies Koll auf die bisherigen Untersuchungen. Der Augenzeuge hatte hingegen behauptet, dass der Hubschrauber so tief geflogen sei, dass der Betonkübel noch am Haken hängend in das Gondelseil gekracht sei.

Die Staatsanwaltschaft werde diesen Angaben nachgehen, erklärte Koll. Er bezweifelte auch nicht, dass der Deutsche von seiner Meinung überzeugt sei. Die Wahrnehmung sei jedoch in einer Stresssituation erfolgt, gab er zu bedenken und betonte, dass es unterschiedliche Zeugenaussagen gebe.

Gutachten hatte Piloten entlastet

Ein vom Verkehrsministerium und der Justiz in Auftrag gegebenes technisches Gutachten hatte den Piloten entlastet und als Ursache für den Gondelunfall mit neun Toten die Verkettung unglücklicher Umstände gesehen. Demnach soll ein winziger Metallspan den Lastenhaken ausgelöst haben.

Hinterbliebene wollen Bahn und Flugfirma verklagen

Die Hinterbliebenen wollen nun die Ötztaler Gletscherbahn und das Helikopter-Unternehmen auf Schadenersatz verklagen. Der Chef der Hubschrauber-Firma, Roy Knaus, erklärte, dass die Klage nicht unerwartet gekommen sei. Der Seilbahnbetreiber reagierte indes mit Unverständnis.

Seilbahnchef Jakob Falkner, der sich derzeit im Ausland befindet, konnte sich nicht erklären, warum die Gletscherbahn geklagt werden soll: "Wo soll die Schuld bei uns liegen? Die Ursache war doch offenbar ein Materialfehler beim Hubschrauber". Seit dem Unglück sei man mit den Verletzten und den Hinterbliebenen in Kontakt. "Von einer Klage ist mir nichts bekannt", sagte Falkner.

750 Kilogramm schwerer Betonkübel

Am 5. September hatte ein Lastenhubschrauber beim Flug über das Skigebiet in Tirol einen 750 Kilogramm schweren Betonkübel verloren, der auf eine der Gondeln stürzte und sie in die Tiefe riss. Aus einer zweiten Gondel wurden durch die Schwingungen des Seils sechs Skifahrer hinausgeschleudert und getötet. Bei dem Unglück starben neun Deutsche, darunter sechs Kinder im Alter zwischen 12 und 14 Jahren. Sieben Menschen wurden verletzt, einige schwer. (APA/dpa)

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