Akten aus der NS-Zeit im Stift Klosterneuburg entdeckt

9. Dezember 2005, 16:08
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Die Papiere dokumentieren Enteignungen durch Nationalsozialisten

Klosterneuburg - Im Augustiner-Chorherrenstift Klosterneuburg ist eine Vielzahl an gelagerten Akten aus den Jahren 1938-45 entdeckt worden. Wie das Stift in einer Aussendung mitteilte, dokumentieren die Papiere die Beschlagnahmung des Stiftsvermögens und das weitere Vorgehen der NS-Verwalter.

Jahrzehntelang verstaubten dicke Papierbündel auf einem Dachboden unterhalb der Kuppel beim Marmorsaal. Andere lagerten in der alten Registratur bei der Kaiserstiege. Doch als nun die Bauarbeiten für den neuen Besucherzugang und -lift begannen, mussten hier Schränke und Regale geräumt werden. Die entdeckten Papiere wurden dem Stiftsarchiv zur wissenschaftlichen Bearbeitung übergeben.

Enteignung

Das Stift wurde zum Teil bereits 1938 enteignet, Pachtgründe wurden für den "Fonds der deutschen Mutter" beschlagnahmt, der wahrscheinlich auch an Arisierungen beteiligt war. Damit verlor das Stift seine wirtschaftliche Existenz. 1941 wurde es aufgelöst, die Chorherren wurden vertrieben. Erst 1945 konnte das Stift wieder besiedelt werden. Es dauerte bis in die 1960er Jahre, dass das Stift seinen Besitz zurückerhielt.

Der Aussendung zufolge belegen Aufzeichnungen, dass jüdische Bürger in der Umgebung ihren Pachtvertrag verloren - nicht zuletzt nach Anzeigen von Nachbarn, die von "der Judenwirtschaft in der Nachbarschaft" genug hatten. Es tauchten Ansuchen um Pachtmöglichkeit der Gründe von "unbekannt Verzogenen" auf, wobei die neuen Anwärter auf ihre Parteimitgliedschaft und weitere affirmative nationalsozialistische Tätigkeiten hinwiesen.

Landkarte

Eine neu gefundene und wahrscheinlich 1945 angefertigte Landkarte zeigt das Ausmaß der beschlagnahmten Gründe und die neuen "Besitzer". Neben dem "Fonds der deutschen Mutter", einem Kaiser Wilhelm Institut, der Gemeinde Wien und dem Kunsthistorischen Museum gehörte auch die Weinbauschule zu den Nutznießern. Unter den tausenden Seiten Aktenmaterial sind auch unzählige Listen, in denen die Bürokraten des NS-Regimes feinsäuberlich das Vermögen des Stiftes aufzählen. (APA)

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