Hofübergabe im Billa-Konzern

8. Dezember 2005, 17:44
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Veit Schalle, lange Jahre "Mr.Billa", wurde offiziell mit einem Festakt verabschiedet - Nachfolger Lenz muss die Nummer-eins-Position verteidigen und ausbauen

Wien - Sogar der greise Gründer des Billa-Konzerns, Karl Wlaschek (88), war anwesend, als sein Nachfolger in die Pension verabschiedet wurde. Veit Schalle (63) und Mentor Wlaschek, nach dem Verkauf seines Lebenswerkes 1996 an die deutsche Rewe-Gruppe zum vermögendsten privaten Immobilieneigentümer Österreichs aufgestiegen, hatten nach dem Deal jahrelang nicht miteinander geredet, am Mittwochabend saßen sie an einem Tisch. So wie ein weiterer Tycoon: Hans Dichand (84), Gründer der Kronen Zeitung. Er widmete Schalle (Rewe Austria ist einer der wichtigsten Anzeigenkunden) eine eigens mutierte Ausgabe seines Blattes, die im Festsaal des Wiener Rathauses verteilt wurde. Auch SP-Bürgermeister Michael Häupl saß am Ehrentisch und lobte die bescheidene Großzügigkeit Schalles in sozialen Angelegenheiten. Das Lob ist bemerkenswert, galt der Kärntner Schalle politisch doch als Anhänger Jörg Haiders (nicht anwesend).

Einen Tisch weiter – der Nachfolger Schalles, wenn auch nicht als "Generalbevollmächtigter" (zu dem ihn Wlaschek 1988 machte), sondern "nur" als Vorstandssprecher: der Vorarlberger Martin Lenz (55), vorher in Spitzenpositionen bei Elektra Bregenz, Wolford, Lenzing, Quelle, Vogel & Noot und Swarovski Holding – sowie kurz beim Pleiteunternehmen Steiner. Er muss ab sofort die Nummer-eins-Position von der sieben Milliarden Euro Jahresumsatz machenden Gruppe um Billa und Merkur gegen die Spar-Organisation verteidigen. Weiters muss von Wiener Neudorf aus die Ostexpansion operativ gesteuert werden (die strategischen Entscheidungen fallen in der Rewe-Zentrale in Köln).

Position erhalten und ausbauen

"Wir werden unsere Position erhalten und ausbauen", sagte Lenz bei seiner ersten öffentlichen Rede. Für 2006 ist etwa die Eröffnung der tausendsten Billa-Filiale geplant. Danach wird übrigens auch der langjährige Schalle-Mitstreiter, Rewe-Vorstand Wolfgang Wimmer (63), in Pension gehen, hieß es am Mittwoch. Finanzchef Andreas Toth (65) tut dies bereits zum Jahresende, der Vorstand wird dann aus vier Personen bestehen – neben Lenz und Wimmer die Deutschen Frank Hensel (zuständig für Merkur, Penny und Eigenmarken) und Jan Kunath (Osteuropa). Die Finanzagenden gehen an den gelernten Steuerberater Lenz.

In Österreich wurde indessen die Umwandlung der Diskontschiene Mondo in Penny abgeschlossen. Die ehemaligen Emma-Standorte sollen bis Jahresende in kleinflächige Billa-Märkte umgebaut werden.

Zum Reizthema Öffnungszeiten sagt Lenz, ihm sei – wie Schalle – die Erweiterung des erlaubten Wochenrahmens von 66 auf 72 Stunden ein Anliegen. Er wolle mit der Gewerkschaft darüber "offen reden". GPA-Chef Wolfgang Katzian war unter den Festgästen. (Leo Szemeliker, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 2.12.2005)

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    Der bisherige Chef der Rewe-Austria-Gruppe-Chef Veit Schalle am Mittwoch, 30. November 2005, während einer Verabschiedungsfeier für Schalle im Wiener Rathaus.

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