Wirtschaftsmotor unter Volldampf

8. Dezember 2005, 18:34
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China lockt viele Unternehmen und ängstigt gleichzeitig die Welt

Manche Ökonomen vergleichen die gegenwärtige Situation Chinas mit jener zu Beginn der industriellen Revolution in Europa: ein Boom, der außer durch Innovationsbereitschaft vor allem durch Kinderarbeit, extrem schlechte Arbeitsbedingungen für die breite Masse und rücksichtslosen Umgang mit Ressourcen getragen wird.

Dank Globalisierung sind die Auswirkungen auf den Rest der Welt – anders als früher – unmittelbar spürbar: In Form höherer Energie- und Rohstoffpreise, weil der Hunger nach diesen in China ungebrochen ist. Ganze Industriezweige brechen in Europa und anderswo weg, weil beispielsweise Textilien zu konkurrenzlos günstigen Preisen im Reich der Mitte geschneidert werden können.

Verlockende Wachstumsraten

Andererseits haben inzwischen fast alle namhaften Unternehmen der westlichen Welt – angelockt durch jährliche Wachstumsraten von bis zu zehn Prozent – eigene Produktionsstätten in China oder Kooperationen. Und China boomt weiter: Es konsumiert ein Viertel des Zements der Welt, fast ein Drittel der Kohle und ein Viertel des Stahls.

Es gibt aber auch Absturzängste. So könnte der im Vergleich zu Industrieländern relativ geringe Anteil des Privatkonsums am Bruttoinlandsprodukt in China womöglich nicht reichen, einen Einbruch der Konjunktur aufzufangen. (Günther Strobl, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 2.12.2005)

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