Präsidenten suchen Präsidenten

2. Dezember 2005, 17:24
3 Postings

Bundesliga berät/entscheidet am Freitag über einen Nachfolger von Stronach

Wien - Stress ist: Präsidentenkonferenz, Bundesliga-Hauptversammlung, Pressegespräch und Jahresabschlussfeier. Nicht binnen einer Woche, sondern an einem einzigen - dem heutigen - Freitagnachmittag. Um Zeit und Weg zu sparen, wird alles im Wiener Technischen Museum gebündelt. Der erste Programmpunkt beginnt um 15:30 Uhr, der letzte zumindest planmäßig dreieinhalb Stunden später. Bei diesem ist das Ende dann völlig offen, denn wie bei jeder anderen Party auch, hängt die Dauer von der Laune der Beteiligten/Eingeladenen ab. Sind die Präsidenten der 20 Fußballklubs gut drauf, werden sie sich nicht lumpen lassen, und es kann durchaus schon Samstag werden.

Frank Stronach wird zuvor die Gründe für seinen Rücktritt als Liga-Boss dargelegt haben. Die Wahl eines Nachfolger gestaltet sich so einfach auch wieder nicht, es bedarf einer Notverordnung, die nur mit einer Zweidrittelmehrheit abgesegnet werden kann. Schließlich gilt es Fristen einzuhalten, Herr Stronach hat quasi nicht termingerecht den Hut auf die Bundesliga geworfen. Um Präsident zu werden, reicht eine einfache Mehrheit. Die zehn T-Mobile-Klubs haben insgesamt 50 Stimmen (jeder fünf), die zehn Red-Zac-Vereine 30. Die teilen diese Zahl aber nur durch neun, da die Austria Amateure nicht mitmachen dürfen. Folglich hat zum Beispiel Gratkorn 3,33 Stimmen.

Das klingt kompliziert, macht aber doch Sinn. Dank dieses Schlüssels wird vermieden, dass die oberste Klasse über die zweithöchste einfach drüberfährt (von 80 Stimmen können 50 nie und nimmer eine Zweidrittelmehrheit ergeben). In der Praxis werden zum Beispiel Rapids fünf Stimmen natürlich nur einmal gewertet. Präsident Rudolf Edlinger muss nicht fünfmal behaupten, dass er Martin Pucher als dauerhaften Liga-Chef für ungeeignet hält, weil dieser Obmann von Mattersburg und somit nicht unabhängig ist. Sturm-Präsident Hannes Kartnig teilt übrigens Edlingers Einschätzung. Auch er kann sich "Rudolf Streicher gut vorstellen". Die Wiener Austria möchte laut Manager Markus Kraetschmer zunächst "eine Diskussion über eine interne oder externe Lösung führen", sie hätte prinzipiell nichts gegen Pucher einzuwenden.

Der Mattersburg-Obmann ist Stronachs erster Vize, er könnte (müsste sogar) die Liga interimistisch anführen - und in aller Ruhe eine außerordentliche Generalversammlung für Jänner/Februar einberufen. Auf dieser könnte Streicher gewählt oder auch Pucher bestätigt werden. (DER STANDARD, Printausgabe, Freitag, 2. Dezember 2005, hac)

Share if you care.