Einbrechern wird es in Österreich leicht gemacht

2. Dezember 2005, 09:04
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62 Prozent der Mehrfamilienhäuser "stehen offen"

Wien - Einbrechern wird es in Österreich generell viel zu leicht gemacht. Das ist das zentrale Ergebnis einer Untersuchung des Instituts für technische Sicherheit (ITS), die am Donnerstag bei einer Pressekonferenz in Wien präsentiert wurde. Dabei wurde an 5.000 Mehrfamilienhäusern in ganz Österreich erhoben, wie leicht oder schwer man sich Zutritt verschaffen kann.

Das Ergebnis: 62 Prozent aller Versuche, durch die Hauseingangstüre ins Stiegenhaus zu gelangen, waren erfolgreich. Bei rund einem Drittel der Häuser stand die Tür sperrangelweit offen. Weitere 22 Prozent der Eingangsbereiche waren zwar geschlossen, aber unversperrt. Und bei jedem achten Haus wurde dem Unbekannten - also der Testperson des ITS - einfach freundlich die Tür aufgehalten, womit potenzielle Täter Zutritt zu den Wohnungstüren erhielten.

Besonders leichtsinnig zeigten sich die Steirer: Jedes zweite der 630 überprüften Häuser stand offen und konnte ohne besondere Hürden betreten werden. Im Burgenland und in Oberösterreich lag die Quote der unverschlossenen Eingangstüren bei 48 bzw. 47 Prozent. Am sicherheitsbewussten waren die Vorarlberger: Nur jedes 14. Haus hatte "Tag der offenen Tür". Die größte Chance, ohne Hindernisse einzutreten, haben Diebe übrigens in den Morgenstunden.

Gegensprechanlage

Die Gegensprechanlage stellte sich als keine hohe Hürde heraus: Bei mehr als einem Viertel der Häuser - 94 Prozent verfügten über eine Sprechanlage - genügte ein einfacher Trick und der Bewohner öffnete mit dem Summer die Tür. Am besten, so die Untersuchung, zieht der Vorwand, dass ein Paket zugestellt werden müsse (Erfolgsquote: 90 Prozent). Angebliche Blumenlieferungen und das Verteilen von Werbematerial lagen auch über 80 Prozent. Ein offenes Ohr für billige Ausreden hatten vor allem die Tiroler: Sie öffneten bei 96 Prozent der Versuche die Tür, gefolgt von den Oberösterreicher (90 Prozent).

Die Ratschläge des ITS: Eingangstüren nicht nur zuziehen, sondern auch versperren: niemals öffnen, ohne nachzufragen; keine Informationen über Nachbarn geben. Und: "Auch wenn der Kontakt nur lose ist, so sollte man zumindest seine direkten Nachbarn kennen, um hausfremde Personen identifizieren zu können." (APA)

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