Krypta und Grüfte in Tiroler Stiftskirche freigelegt

9. Dezember 2005, 16:08
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Fund aus dem 15./16. Jahrhundert anlässlich der "Runderneuerung" der Stiftskirche Wilten

Innsbruck - Eine Krypta inklusive Grüfte, vermutlich aus dem 15./16. Jahrhundert, haben Mitarbeiter des Bundesdenkmalamtes, Studenten und Absolventen der Universität Innsbruck bei Ausgrabungen in der Stiftskirche Wilten in Innsbruck freigelegt. Anlass der Grabungen war die "Runderneuerung" der Stiftskirche, die Ende 2007 abgeschlossen werden soll, hieß es am Donnerstag bei einer Pressekonferenz.

Die Stiftskirche Wilten steht auf bedeutendem geschichtlichen Boden. Bereits in römischer Zeit wurde dort im 4. Jahrhundert eine kleine Kirche errichtet, die dem Heiligen Laurentius geweiht war. "Den Beweis für die frühe Zeitstellung" würden rund "30 geostete Körpergräber" liefern, die entlang der Südwand dieser alten Kirche bei den Ausgrabungen zu Tage kamen. Die unterste Gräberlage zeige Bestattungen mit Steinfassungen, ein Element, das in unserem Raum seit der Spätantike bekannt sei.

Mauerzug

Der römischen Epoche könnte ein Ost-West-verlaufender Mauerzug angehören, erklärte Johannes Pöll vom Bundesdenkmalamt-Landeskonservatorat Tirol. Dabei könnte es sich um den Rest eines Gebäudes aus dem 2. bis 3. Jahrhundert n. Chr. handeln, vermutete er. Einzelne Gefäßscherben sollen eine Nutzung des Areals bereits in der vorrömischen Eisenzeit belegen. Die archäologischen Funde sollen am 10. Dezember unter Leitung des Denkmalamtes für die Öffentlichkeit zu besichtigen sein.

Seit Mai wurde der barocke Marmorboden "in den seitlichen Gängen des Langhauses gereinigt und abgedeckt", sagte der Landeskonservator für Tirol, Franz Caramelle. Auch etliche Restaurierungsmuster seien angelegt worden. An den Böden der Seitenkapellen und an den Blockstufen seien Konservierungsproben gemacht worden.

Sämtliche Betbänke im Langhaus und Chorstühle in den Seitenkapellen seien abgetragen und deponiert worden. Auch "das frühbarocke Chorgestühl im Presbyterium wurde abgebaut, in Stand gesetzt und in der Innsbrucker Jesuitenkirche aufgestellt", erklärte Caramelle.

Stift Wilten

Das Stift Wilten ist seit Jahrhunderten ein spirituelles Zentrum für Innsbruck. Seit fast 900 Jahren kommen in der Stiftskirche Prämonstratenser des Stiftes drei Mal täglich zusammen, um für die Anliegen der Stadt, des Landes und der Kirche zu beten. Lediglich während der Besetzung durch die Bayern im 19. Jahrhundert und in der Nazizeit wurde das Chorgebet unterbrochen. (APA)

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    Unter der Stiftskirche Wilten in Innsbruck (Archivbild) wurden eine Krypta und Grüfte freigelegt.

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