Aufgedeckt: Wie sich Aids-Viren "verstecken"

2. Juni 2006, 16:57
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Enzym kontrolliert Protein, das die Aktivierung des Virus-Genoms unterdrückt

Heidelberg/San Francisco - Nun fand ein Forschungsteam heraus, wie sich Aids-Viren "verstecken" und so dem Angriff von Immunsystem und/oder Medikamenten widerstehen: Offenbar steuert ein Enzym dieses Stillhalten, das die Erreger der Immunschwächekrankheit im Körper von Infizierten lange Zeit überleben lässt.

Die Studienergebnisse des US-Wissenschafterteams um Dr. Warner C. Greene von der Abteilung für Mikrobiologie und Immunologie der Universität von Kalifornien in San Francisco werden in der neuesten Ausgabe der Zeitschrift der Europäischen Organisation für Molekulare Biologie (EMBO/Heidelberg) veröffentlicht. HI-Viren infizieren Immunzellen. Sie können sie killen oder aber in ihnen lange Zeit "schlafend" überleben. Die derzeit vorhandenen Medikamente gegen Aids können nur in den Vermehrungszyklus von HI-Viren eingreifen. Gegen die latent infizierten Zellen aber wirken sie nicht. Deshalb können die Arzneimittel auch eine HIV-Infektion nur unter Kontrolle halten, nicht heilen. Schließlich macht das Immunsystem auch nicht mobil gegen solche "versteckten" Aids-Erreger.

Mechanismus

Dr. Warner C. Greene und seine Co-Autoren haben nun offenbar einen wichtigen Mechanismus für die latente HIV-Infektion von Immunzellen geklärt. Sie entdeckten, dass in einem solchen Fall die Aktivierung des Virus-Genoms durch das so genannte NF-kappaB p50-Protein unterdrückt wird. Dieses Protein steht wiederum unter Kontrolle des Histon-Deacetylase-Enzyms 1 (HDAC1).

Was so theoretisch klingt, könnte in Zukunft wichtig für die Entwicklung neuer und heilender Behandlungsstrategien gegen Aids werden. Wissenschafter denken nämlich daran, "schlafende" HI-Viren künstlich "aufzuwecken", um sie aus ihren "Verstecken" zu locken und dann anzugreifen. Laut den Forschungen der US-Wissenschafter wäre dazu sowohl das HDAC1-Enzym als auch die Aktivierung des Tat-Gens von HIV notwendig. Könnte man das Enzym und das Tat-Gen "ankurbeln", könnten somit die "schlafenden" HI-Viren wieder aktiv und somit angreifbar werden. (APA)

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