TW1 soll öffentlich-rechtliches Fenster bekommen

1. Dezember 2005, 19:52
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ORF-Gesetz im Verfassungsausschuss: Spartensender darf weiter gewinnorientiert wirtschaften, Gebührengelder für Sport-Fenster

Der ORF-Spartenkanal TW1 wird nun doch nicht zu einem komplett öffentlich-rechtlichen Sportkanal umgebaut. Der Verfassungsausschuss des Parlaments befasst sich in seiner Sitzung am Donnerstag mit einem Abänderungsantrag für die Novelle des ORF-Gesetzes. Demnach darf der ORF TW 1 kommerziell, etwa als Wetter- und Tourismuskanal, weiterbetreiben. Der Sport-Kanal, für den Gebührengelder verwendet werden dürfen, kann als Fenster in TW1 integriert werden. Entsprechende Berichte von "Kurier" und "Presse" bestätigte Ausschuss-Vorsitzende Ulrike Baumgartner-Gabitzer auf APA-Anfrage.

Ursprünglich war geplant TW1 in einen Sportsender umzuwandeln

Ursprünglich hatten die Regierungsparteien beabsichtigt, TW1 in einen Sportsender umzuwandeln. Dem ORF wären dadurch aber möglicherweise Einkommensmöglichkeiten in diesem kommerziellen Kanal, der momentan neben Sport auch Wetter-, Tourismus- und Special Interest-Sendungen zeigt, entgangen.

Die neue Regelung kommt dem Öffentlich-Rechtlichen entgegen: Der ORF muss zwar für ein Sport-Spartenprogramm via Satellit sorgen. Allerdings darf sich dieses Programm den Kanal mit einem anderen - auch kommerziellen - Spartensender teilen. Voraussetzung ist, dass beide eindeutig gekennzeichnet werden. Sportübertragungen auf TW1 werden damit künftig wohl ein anderes Sender-Logo haben. Dafür darf TW1 weiter gewinnorientiert arbeiten.

Künftig ist Premium Content auch weiter auf ORF 1 und ORF 2 zu sehen

Dem ORF soll auch explizit aufgetragen werden, im neuen Programm Sportarten zu zeigen, für die im Rahmen der bisherigen Sport-Berichterstattung kein Platz war. So genannter Premium Content, also Sportarten mit großer Breitenwirkung, sollen auch zukünftig auf ORF 1 oder ORF 2 zu sehen sein, heißt es in der Begründung des Abänderungsantrags. "Unserer Meinung nach ist das sehr korrekt", so Baumgartner-Gabitzer: Damit würden Präsenz und Gebührenmittel für so genannte Randsportarten gesichert.

Die SPÖ will dem zustimmen, da der ORF damit in seiner Existenz gestärkt werde, hieß es am Donnerstag auf APA-Anfrage im Parlamentsklub. Im Gegenzug hat man ebenfalls einen Antrag parat: TV-Spots der Bundesregierung sollen "unzulässig" werden, wünscht sich die SPÖ. Die Beschränkung der Printmedienwerbung im ORF-TV soll dafür entfallen. (APA)

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