Rechenpower aus der Dose

8. Dezember 2005, 14:07
3 Postings

Heute Elektrizität von Stromanbietern, in Zukunft Rechnerleistung und Computeranwendungen von spezialisierten Versorgungsunternehmen

Das Leben in der Zukunft wird einfacher - zumindest was die Anwendung von Informationstechnologien im Unternehmen oder zu Hause anbelangt, ist Martin Sadler, einer der Vordenker im Hewlett Packard (HP) Forschungslabor Bristol überzeugt. "Vergessen Sie, wie Ihr Computer funktioniert, ob Ihre Festplatte genügend Speicher für Ihre zahlreichen Anwendungen bietet, vergessen Sie, ob auf Ihrem Rechner Windows, Linux oder ein anderes Betriebssystem läuft. Diese Überlegungen gehören schon bald der Vergangenheit an", so Sadler auf einer HP-Veranstaltung in Wien.

Zentrale IT-Versorgungsunternehmen

Denn in schon naher Zukunft, Sadler nennt eine Zeitspanne von fünf bis maximal zehn Jahren, beziehen Unternehmen und Haushalte die für sie notwendigen IT-Leistungen wie Rechenpower, Speicherkapazität oder Softwareprogramme von zentralen Versorgungsunternehmen. Außer den entsprechenden Ein-, Ausgabe- und Kommunikationsgeräten wie Tastatur, Monitor, Drucker, Digitalkamera etc. wird die bis dato übliche IT-Infrastruktur mehr oder weniger überflüssig.

So wie Elektrizität

Um sich diese Vision besser vorstellen zu können, bedient sich Sadler der Entwicklung auf dem Gebiet der Stromversorgung. Betrieben vor 100 Jahren Fertigungsunternehmen noch eigene Stromgeneratoren für Maschinen, wird die nötige Elektrizität schon längst von Energieunternehmen zugekauft. Ganz ähnlich werden Unternehmen und Privathaushalte bald genau die Menge an Rechenleistung, Speicherplatz, Anwendungsprogrammen zukaufen, die sie gerade benötigen.

Utility Computing und Utility Services

Utility Computing und Utility Services nennt Hewlett Packard diese zukunftsweisenden Technologien und Anwendungen. Erste Erfahrungen im Bereich Utility Computing hat das amerikanische IT-Unternehmen in der Filmindustrie mit dem "SE3D-Projekt", ein in Großbritannien unter 3D-Animationsfilmern durchgeführter Wettbewerb, gesammelt. Für das Rendern der Animationsfilme wird viel Rechenleistung benötigt, über die die Künstler nicht verfügen. HP gestattete ihnen deshalb den Zugriff auf die eigenen Computeranlagen in Palo Alto. Das Ergebnis waren Produktionen, die sich mit jenen von Dream Works und Co. messen lassen konnten.

Snapfish

Ansätze von Utility Services finden sich auch bei HPs Fotodienst Snapfish. Snapfish bietet Fotoprodukte und -dienste an, darunter auch eine Onlineplattform zum Speichern und Tauschen von Fotos, Werkzeuge zur Bildbearbeitung, etc.

"Computerressourcen werden in Zukunft wie Strom aus der Steckdose zur Verfügung stehen. Und das sogar ohne Stecker, da sie uns mit drahtloser Technologie überall zur Verfügung stehen werden", so die verheißungsvolle Vision Sadlers.(Karin Tzschentke/DER STANDARD, Printausgabe vom 1.12.2005)

  • Artikelbild
    foto: standard/regine hendrich
Share if you care.