Late Night beim Nahversorger

5. Dezember 2005, 10:37
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Opocensky: Ein tolles Abendessen mit großen Weinen zu Diskontpreisen lässt man sich am besten beim Greißler servieren

Für einen Greißler hat Robert Opocensky einen ziemlich bemerkenswerten Koch in der Küche stehen: Josef Zeppetzauer hat als Küchenchef immerhin die "Cantinetta Antinori" hochgekocht, jenes Lokal, mit dem die Kraft und schlichte Eleganz der italienischen Küche Mitte der 90er auch in Wien schmeckbar wurde - spät aber doch.

Das kommt daher, dass Zeppetzauer seit Jahren Mitinhaber des "Edelgreißlers" in der Favoritenstraße ist. Zwar wird bei Opocensky immer noch ein beeindruckendes Sortiment vornehmlich italienischer, zusehends auch österreichischer Delikatessen gehortet. Das manifestiert sich neuerdings auch in einem verglasten Kühlhaus, in dem Schinken und Würste aus den schöneren Teilen der Welt bei idealer Luftfeuchtigkeit und Temperatur, vor den Augen der Kundschaft, ihrem Idealzustand entgegenreifen können. "Den Hauptumsatz aber machen wir längst mit Caterings, mit unserem Mittagstisch und so", sagt Opocensky - und da ist ein Koch mit Format fraglos ein gewaltiges Asset.

Klein, aber oho

Seit drei Wochen strahlt die Greißlerei nun in neuem Glanz. Die Vitrinen sind bis oben voll mit Leckereien und strecken sich immer noch lang und breit durch das Lokal, bei den klassischen Kolonialwaren aber ist die Auswahl kleiner geworden - zugunsten eines nun größeren Speisezimmers, in dem ab sofort auch zu Abend gegessen werden kann. Die Karte ist klein, von klassischer Schlichtheit, aber oho: zwei Hauptspeisen, eine elaborierte Vorspeise (für jene, die an den Vitrinen vorbeikönnen, ohne gleich das, jenes und ein wenig von diesem auf den Teller laden zu lassen), ein Nachtisch. Die Speisen variiert Zeppetzauer einstweilen alle drei Tage, bei entsprechendem Zuspruch auch öfter.

Die Entenleberterrine mit Sauternes-Aspik und Toast vermittelt auf perfekte Weise sündhaft festliche Opulenz, die man sich in der dunklen Zeit durchaus öfter auf der Zunge zergehen lässt - irgendwo muss das Vitamin D schließlich herkommen, wenn die Sonne nicht mehr scheinen will!

"Pochiertes Forellenfilet mit Wurzelgemüse und Kartoffeln" klingt erst einmal nach krankenhausreifer Diätkost. Wenn am Teller festfleischige Fischfilets landen, die von der sanften Kraft des Fonds vibrieren, dazu eine komplett altmodische Beurre Blanc, knackigste Wurzel-Julienne und richtig gute Salzerdäpfel dann ist man nur noch glücklich, dass es diese perfekte Form der Klassik auch noch wo gibt. Unfassbar günstig die Weinpreise: Mit 2,90 Euro Stoppelgebühr darf alles, was der Weinkeller hergibt, zum Thekenpreis geleert werden - Top-Veltliner wie Hirtzbergers "Rotes Tor" trinkt man so um wahrhaft schlanke 17,80 Euro leer.
(Severin Corti/Der Standard/rondo/01/12/2005)

 

Fotos: Gerhard Wasserbauer

Opocensky
Favoritenstraße 25
1040 Wien
Tel.: (01) 505 08 52
Abendessen Mo-Fr von 17-22 Uhr
VS € 7,90-9,80
HS € 11-12

  • Bei Opocensky in Wien wird gut gekocht ...
    foto: gerhard wasserbauer

    Bei Opocensky in Wien wird gut gekocht ...

  • ... und getrunken.
    foto: gerhard wasserbauer

    ... und getrunken.

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