Rekord für eine Ansicht des großen Apfels

30. November 2005, 19:29
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Erfolgreicher letzter Dorotheums-Auktionsreigen im Jahr 2005

Wien - Expansion macht sich dieser Tage ganz offensichtlich bezahlt. Zumindest aus Sicht der Geschäftsführung des Dorotheums und der zuständigen Experten. Der diese Woche abgehaltene vierte und letzte Auktionsreigen des Jahres brachte am Abend des 29. November in der Sparte "Klassische Moderne und Zeitgenössische Kunst" den Beweis.

Mit einem Nettoumsatz von 3,16 Millionen Euro summierten sich die Zuschläge dieser Sparte auf Rekordhöhe. Den bisher höchsten Umsatz verbuchte man mit 2,5 Millionen Euro im Mai dieses Jahres. Dazu trug die italienische Sektion maßgeblich bei - sowohl einbringer- und käuferseitig als auch hinsichtlich des Angebotes. Der Star der Sitzung wurde der 1998 verstorbene Mario Schifano, dessen Mischtechnik New York City 65 entgegen den taxierten 140.000 bis 180.000 Euro erst bei 300.000 Euro einem italienischen Telefonbieter zugeschlagen wurde. Das Werk stammte aus dem Jahr 1965, einer wichtigen frühen Phase des Künstlers, der in den 60er-Jahren durch die Schau The New Realists international bekannt geworden war.

Stilistisch wird Schifano, dem der Futurismus in Bezug auf Darstellungen von Zeitabläufen nahe stand, auch zur Pop-Art gezählt. Und sein Werk erfreut sich seit 1997 kontinuierlich steigender Nachfrage: 100 damals in eine fiktive Schifano-Aktie investierte Euro hätten laut Artprice gegenwärtig einen Wert von 410 Euro. Dahinter liegt eine gigantische Umsatzentwicklung. 1997 gelangten weltweit 97 Arbeiten zur Versteigerung und sorgten für ein Umsatzvolumen von knapp 204.000 Euro. 2001 waren diese Koordinaten auf 1,13 Millionen Euro für 151 Werke gestiegen, 2004 wechselten 384 seiner Arbeiten für etwas mehr als eine Million Euro den Besitzer. Die laufende Saison ist jedenfalls die bisher absolut stärkste: Von Jänner bis September kamen nicht weniger als 410 Arbeiten auf den Markt. Zum Rekordumsatz des Shootingstars trug der im Dorotheum erzielte Preis ein maßgebliches Scherflein bei. Den zweithöchsten Hammerpreis der Sitzung sicherte sich Egon Schiele mit seinem 1918 geschaffenen Mädchenakt (240.000 Euro). Für Alfons Waldes aus deutschem Besitz stammendes Werk Skifahrer bei der Alm von 1933 konnte man sich bis zu 160.000 Euro begeistern. Generell machten diesmal aber vor allem die international akquirierten Künstlerkollegen besonders gute Figur:

Ein besonders hartnäckiger Bieter aus Deutschland versechsfachte den Schätzwert für Johann Georg Müllers Torso (200.000 Euro). Und nicht weniger temperamentvoll deponierte ein spanischer Sammler für Antoni Tàpies' Komposition Brown and Grey, ehemals im Bestand der Galerie Gmurzynska, entgegen der Taxe von 100.000-120.000 stolze 180.000 Euro. (kron/DER STANDARD, Printausgabe, 01.12.2005)

  • Durchhaltevermögen bewies ein italienischer Telefonbieter beim langen Bietgefecht um Mario Schifanos Gemälde "New York City 65".
    foto: dorotheum

    Durchhaltevermögen bewies ein italienischer Telefonbieter beim langen Bietgefecht um Mario Schifanos Gemälde "New York City 65".

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