Braunes Unterfutter

9. Dezember 2005, 16:54
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Was in Jahrzehnten gewachsen ist, kann in einem Jahr nicht abgeräumt werden - von Samo Kobenter

Die jüngsten Ausfälle des Kärntner Landeshauptmanns Jörg Haider gegen die slowenische Regierung sind, wie die Kärntner Slowenen unschwer entziffern konnten, natürlich ein Ablenkungsmanöver von den Versäumnissen in eigener Sache. Aber sie sind es erst in zweiter Linie. Primär geht es Haider darum, sein an der politischen Wahrnehmungsgrenze dahinsiechendes BZÖ so zu positionieren, dass er bei der nächsten Nationalratswahl wenigstens in Kärnten ein Grundmandat schafft. Dabei kann ein stramm deutschnationaler Kurs nicht schaden, auch wenn die Original-FPÖ die infrage kommende Wählerklientel doch um einiges glaubwürdiger bedient als die ausrangierten Orangen.

Dennoch sollte Haiders Anregung, in einigen Orten der slowenischen Gottschee zweisprachige Ortstafeln aufzustellen, bedacht werden: Denn was er für weniger als ein Prozent der heute noch Deutsch sprechenden Minderheit dort für recht hält, kann doch in Kärnten nicht erst ab 20 Prozent seiner Slowenisch sprechenden Landsleute billig sein. Es hätte schon etwas, Klagenfurt auch als Celovec und Villach als Beljak auf den Ortstafeln lesen zu können.

Das Theater wäre bloß lächerlich und keiner Erwähnung wert, wäre nicht heute noch das Abzählen, Auszählen, Wegzählen als gezielte Strategie ebenso in das geistige Unterfutter mancher Unverbesserlicher eingewebt wie das Leugnen von NS-Verbrechen, das man jüngst ebenfalls aus Kärnten vernehmen musste. Dass solches Gedankengut von so genannten Eliten nicht nur gepflegt, sondern auch verbreitet wird, ist das eigentlich Beschämende im zu Ende gehenden Gedenkjahr. Das ist diesbezüglich völlig wirkungslos geblieben: Was in Jahrzehnten gewachsen ist, kann in einem Jahr nicht abgeräumt werden. (DER STANDARD, Printausgabe, 1.12.2005)

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