Was bleibt, ist die Hoffnung

2. Juni 2006, 16:57
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Gegen Aids gibt es nach wie vor kein besseres Mittel als Vorbeugung - Heilung ist trotz viel versprechender Ansätze nicht in Sicht

Da sich vor allem Frauen über heterosexuelle Kontakte infizieren, müssten dringend alternative Methoden zum Kondom entwickelt werden, die Frauen beim Infektionsschutz unabhängig machen, fordert die Präsidentin der Österreichischen Aids-Gesellschaft, Brigitte Schmied. Zum Beispiel durch Mikrobiziden - hier handelt es sich um Substanzen zur äußerlichen Anwendung, die das Virus zerstören oder inaktivieren. Derzeit befinden sich mehrere in der Erforschung.

Durch eine verbesserte Aids-Therapie können HIV-Infizierte zumindest in den westlichen Industrienationen länger überleben als noch vor einigen Jahren. Moderne Behandlungsmethoden, zumeist eine Kombination aus Hemmstoffen der Reversen transkriptase und Protease, die diese Enzyme der HI-Viren blockieren, machen die Erkrankung im Moment beherrschbar. "Die antiretrovirale therapie (ART) hat dazu geführt, dass seit Mitte der Neunzigerjahre die Anzahl der Aids-Erkrankungen und -Todesfälle um 80 Prozent gesunken ist", sagte Schmied. Die ART sei für die Patienten erheblich erleichtert und vereinfacht worden. Auch hätten die Medikamente heute weniger Nebenwirkungen, so Schmied. Zugleich wächst aber die Gefahr, dass HI-Viren Resistenzen gegen Arzneimittel entwickeln. So sollen in Deutschland bereits 16 Prozent der HIV-Infizierten gegen eine antiretrovirale Substanzklasse resistent sein, hieß es in einer Erklärung auf dem Aids-Kongress 2005 in Wien.

Immer mehr Subtypen des HIV-Erregers treten auf, die den HIV-Medizinern die Therapie erschweren. Obwohl die Forschung seit Jahren immer wieder Erfolge bei der Entwicklung eines Impfstoffes vermelden kann, gibt es weiterhin keine wirksame Impfung gegen das HI-Virus. Nach Angaben des Aktionsbündnisses gegen Aids waren 2003/2004 33 Impfstoffe in der Erprobung. Doch nur einer davon hat die letzte Testphase erreicht.

Auch können bisher alle Impfstoffe jeweils nur gegen einen typ des HI-Virus immunisieren. Dennoch haben Teilerfolge der biotechnologischen Forschung großes Potenzial: Wissenschafter der Duke University in Durham in New Orleans und der Universität für Bodenkultur Wien (Boku) haben Antikörper isoliert, die gleich mehrere der weltweit bekannten Subtypen des Virus neutralisieren können. Drei von vier der derzeit bedeutsamsten Antikörper wurden an der Universität für Bodenkultur entdeckt. Diese Antikörper hatten dort Mikrobiologen aus Blutproben HIV-infizierter Patienten entnommen, die ihr Immunsystem offenbar erfolgreich gegen den Erreger gebildet hatte. "Einer dieser Antikörper wirkt zu 100 Prozent, einer zu 75 Prozent und einer zu 50 Prozent bei allen HIV-Virustypen, die es weltweit gibt", sagte die Leiterin der HIV-Arbeitsgruppe am Boku-Department für Biotechnologie, Gabriela Stiegler.

Seitdem konzentriert sich die medizinische Forschung auf die passive und vor allem aktive Immunisierung mit diesen Antikörpern - sprich, auf die Entwicklung eines Impfstoffes. Zahlreiche Forschungslabors weltweit suchen nach dem Impfstoff, der die Menschen vor der tödlichen Krankheit schützt.

Da die klassische Impfmethode mit HIV-Viren wie bei anderen Infektionskrankheiten viel zu gefährlich wäre, muss der Virus zunächst biotechnologisch entschärft werden. Dafür wird der Viruszelle im Labor das tödliche Genmaterial entnommen und die übrigen Bestandteile des Virus werden in andere Zellen eingepflanzt. So kann das entschärfte Virus als Impfstoff in großer Menge hergestellt werden, sagte Stiegler. Erste Tierversuche verliefen viel versprechend.

Ein weiter Versuch mit Affen wird nun durchgeführt, bevor der Impfstoff am Menschen getestet werden soll. Hohe Ziele hat sich auch ein Forschungsprojekt in Tansania gesteckt: Dort wurde mit der klinischen Prüfung eines Impfstoffes begonnen, der gleich gegen die vier HIV-Subtypen A, B, C, und D wirksam sein soll.

Die Vakzine wurde am Vaccine Research-Center der US-amerikanischen nationalen Gesundheitsinstitute entwickelt und wird auf Verträglichkeit getestet. (Inga Niermann/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 1. 12. 2005)

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