Ringen um Zeugen

von Redaktion  |  28. Dezember 2005, 13:15
  • Artikelbild: In dieser Sicherheitszelle in der Polizeianhaltestelle in der Polizeidirektion Linz starb am 4. Oktober 2005, Yankuba C. - Foto: AP/ RUBRA

    In dieser Sicherheitszelle in der Polizeianhaltestelle in der Polizeidirektion Linz starb am 4. Oktober 2005, Yankuba C.

Staatsanwaltschaft für Abschiebung - Opferanwalt: "Unverzichtbar"

Linz/Wien - "Der Mann steht vor seiner Abschiebung, es gibt keine Bestrebungen, ihn noch länger hier zu behalten" - Dietmar Gutmayer, Sprecher der Staatsanwaltschaft Linz, lässt im STANDARD-Gespräch keine Zweifel offen, dass ein wichtiger Zeuge in dem aufklärungsbedürftigen Fall des Schubhaft-Todes des 18-jährigen Yankuba C. in Linz bald nicht mehr zur Verfügung stehen wird. Es habe bereits - so Gutmayer - eine Einvernahme gegeben, daher "weiß ich nicht, was der Betroffene im Verfahren noch bringen soll".

Schubhaft-Beschwerde

Der 19-jährige Nigerianer Henry Cu. war einer der letzten, der Yankuba C. noch lebend gesehen. Beide standen unmittelbar vor der Abschiebung, beide befanden sich im Hungerstreik. Für Yankuba C. endete die Haft am 4. Oktober in einer Zelle tödlich - der STANDARD berichtete.

Henry Cu. ist derzeit im Polizeianhaltezentrum am Wiener Hernalser Gürtel inhaftiert und dort seit Tagen erneut im Hungerstreik. Sein Gesundheitszustand ist laut Flüchtlingsbetreuern dramatisch: "Er hat starke Schmerzen, spuckt Blut und ist völlig geschwächt", berichtet Verena Roschger von der Deserteurs-und Flüchtlingsbetreuung Wien. Eine Schubhaft-Beschwerde habe man bereits eingereicht. Auf STANDARD-Nachfrage zeigt man sich wortkarg: "Der Betroffene wird täglich ärztlich untersucht, er ist haftfähig."

Der Linzer Anwalt der Familie von Yankuba C., Helmut Blum, kämpft gemeinsam mit der Plattform Zivilcourage gegen eine Abschiebung. "Ich habe bereits den Beweisantrag bei der Staatsanwaltschaft Linz eingebracht, dass Henry Cu. als Zeuge nominiert werden muss", so Blum. Es sei möglich, dass "bei einem Verfahren Fragen auftauchen, zu deren Klärung man so wichtige Zeugen dringend benötigt. Alles andere würde ein schiefes Licht auf einen Rechtsstaat werfen". (Markus Rohrhofer, DER STANDARD Printausgabe 1.12.2005)

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seapoint
01.12.2005 18:02

Um Linz moch i an Bogen.

Irene Messinger
01.12.2005 04:22
www.deserteursberatung.at

Aktuelle Informationen über die geplante Abschiebung und Berichte von den Besuchen in Schubhaft sind auf www.deserteursberatung.at zu finden.

Wieviel Demokratie ist es bitte?
30.11.2005 20:32
Menschheit im Stau! Weltumwandern plötzlich verboten!

Die, die die Landkarten zeichneten hatten noch nie Recht. Politisch nicht, kulturell nicht, historisch nicht und juristisch nicht. Schließlich sind die Karten und Grenzen dieser Erde mit dem Blut von Millionen gezeichnet. Was ist mit den Globuswanderern, die, angezogen von unermesslichen Gewinnspannen und gigantischen Handelsgeschäften, hinausziehen und nach Gutdünken und ungehindert jeden Punkt der Erde besetzen? Sieht man die dort in Schubhaft sitzen, weil sie sich im Anderswo auf der Außenhaut einer Kugel Besseres erhoffen und in Besitz nehmen? Was macht den "kleinen" Globuswanderer verdächtiger ungeheure Taten zu begehen, als den Großen? Dürfen nur noch Krieger, Touristen und Kapitalisten nomadisieren? Andere haben "Ausgehverbot"?

. oP1uM
30.11.2005 19:42
um jeden preis

den aufenthalt verlängern ...

Irene Messinger
01.12.2005 04:39
gerechtigkeit?

schon einmal daran gedacht, dass es dem Zeugen darum gehen könnte, dass der Mensch, mit dem er nicht nur die Zelle, sondern auch die harte Erfahrungen eines Hungerstreiks in der Schubhaft geteilt hat, Gerechtigkeit erfährt, auch wenn er es nicht mehr erleben kann?

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